ZeitBild | Nr. 13
Nicht nur Badespektakel
Matthias Lilienthal, künftiger Intendant der legendären Berliner Volksbühne, versteht das direkt vor dem Theater aufgebaute „Volksbad“ nicht ausschließlich als Freizeitangebot, sondern als politisches Statement. Der Mangel an Schwimmbadkapazitäten, aber auch Defizite bei Verkehr, Bildungseinrichtungen und anderen öffentlichen Angeboten seien in der Stadt vielerorts sichtbar. Das „Volksbad“ greift diese Debatte auf und verbindet sie mit einem offenen Kulturverständnis.
Mit diesem ungewöhnlichen Projekt knüpft Lilienthal zugleich an die traditionsreiche Geschichte der Volksbühne an. Seit ihrer Gründung steht das Haus für den Anspruch, Kultur einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das Leitmotiv „Die Kunst dem Volke“, das einst die historische Fassade schmückte, erhält mit dem frei zugänglichen Badeangebot eine ungewöhnliche zeitgenössische Interpretation.
Der Pool als Politikum
Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, einen schönen Sommerferien-Nachmittag für die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen und ihre Angehörigen zu organisieren. Damit sollte für Menschen, die strukturell in der Gesellschaft benachteiligt werden, ein sicherer Raum geschaffen werden. Aufgrund rassistischer Mails und Gewaltdrohungen sagte der Verein das Event aus Sicherheitsgründen ab.
Kosten-Nutzen: Ist das nun viel oder wenig?
Dadurch wurde Budget frei, das normalerweise zum Theaterspielen verwendet wird. "Es ist nicht der blaue Pool, der so viel gekostet hat", sagt "Volksbad"-Programmkoordinatorin Friederike Kötter: „Der sei gemietet und der Rest der Materialien werde später für andere Bühnenbilder wiederverwendet. Es seien hauptsächlich die Personalkosten, die zu Buche schlagen würden. Und die hätte man eh, ob für das Schwimmbad oder für eine andere Produktion.“
Aber was soll das Ganze?
Das Volksbad vor der Volksbühne ist ein mutiges Projekt der Theatermacher. Die Bevölkerung dankt es Ihnen mit großem Andrang auf die Badezeitfenster. Die kommenden Tage sind ausverkauft. Das freut auch den künftigen Intendanten: "Ich wollte immer schon Schwimmbadleiter werden und nicht Theaterdirektor, und den Wunsch habe ich mir jetzt erfüllt", sagt Matthias Lilienthal.
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| Gesamtansicht der Volksbühne. Im Vordergrund ist das Räuberrad zu sehen. Es ist eine Metallskulptur und zugleich das Logo der Volksbühne Berlin. |
Markante Säulenfassade und Kulturtempel
Mit ihrer markanten Säulenfassade prägt die Volksbühne seit mehr als einem Jahrhundert das Stadtbild am Rosa-Luxemburg-Platz. Vor 130 Jahren gründete sich der Verein Freie Volksbühne für Arbeiter. Ein Mitglied zahlte 50 Pfennig im Vierteljahr, konnte dafür an drei Sonntagen nachmittags ins Theater gehen.
Durch Spenden und Arbeitergroschen konnte sich der Verein den Wunsch nach einem eigenen Theater erfüllen. Nach einem Entwurf von Oskar Kaufmann wurde das Theater 1913 bis 1914 mit wuchtigen Säulen als monolithisch anmutender Kulturtempel der Arbeiter am ehemaligen Bülowplatz errichtet.
Die Eröffnung erfolgte am 30. Dezember 1914 wenige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges. „Eine Kulturtat inmitten der Kriegswirren“, schrieb die Presse damals.
Weiterführende Links:
Originalwebsite der Volksbühne Berlin ( also EN)
Mehr zum VOLKSBAD am Rosa-Luxemburg-Platz auf der Website des Theaters (also EN)
Originalwebsite von Each One Teach One (EOTO) (In many languages)









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