In Berlin begegnete ich den Fotografien von James Nachtwey zweimal. Das erste Mal 2007 in der Ausstellung Men, War & Peace:Helmut Newton, James Nachtwey, David LaChapelle in der Helmut Newton Foundation und zum zweiten Mal in der aktuellen Retrospektive der Fotografiska Berlin 2026 mit dem Titel Memoria.
In der Ausstellung Men, War & Peace wurden den Portraits Helmut Newtons größere Werkgruppen von James Nachtwey und David LaChapelle gegenübergestellt.
Den amerikanischen Lifestylefotografen David LaChapelle mit seinen grell und bilderstürmerisch inszenierten Bildern einer hedonistischen USA-Gesellschaft und die Männerportraits von Helmut Newton, der im allgemeinen mehr als Fotograf von vorzugsweise nackten Frauen aus der Welt des Modedesigns bekannt ist, mit den aufrüttelnden und schockierenden Bildserien Nachtweys aus den Krisenregionen der Welt zu kombinieren, war ein gewagtes Unterfangen. Die Ausstellungsmacher charakterisierten James Nachtwey aber treffend als „Humanist mit der Kamera.“
Der tiefe moralische Anspruch den Nachtweys Fotografien vermitteln, hatte mich schon damals in der dreiteiligen Ausstellung am meisten beeindruckt. Einigen dieser Bilder von der Hungersnot im Sudan, dem Krieg auf dem Balkan, der Belagerung von Kabul und dem Völkermord in Ruanda begegnete ich in Memoria erneut.
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| Blick in die Ausstellung |
Der Fotograf James Nachtwey dokumentiert seit mehr als 40 Jahren Kriege und Krisen. Fotografiska Berlin zeigt nun eine Retrospektive. Nachtwey hat die Ausstellung in Zusammenarbeit mit Fotografiska selbst kuratiert.
Dabei legte er den Fokus der Ausstellung offensichtlich darauf, Bilder nicht als Kunstwerke, sondern als Mittel der Berichterstattung darzustellen. So wurden in einer Installation die Bilder direkt Rahmen an Rahmen gehängt wie eine fortlaufende Erzählung. Sehr gut gelungen, fand ich auch, dass in allen Serien die Formate der Bilder vielfach angeglichen wurden, was ihre Gleichwertigkeit unterstreicht. Sehr gut war auch, dass zu den gezeigten Bildern deren Entstehungszusammenhang in Begleittexten erklärt wurde. Dadurch waren die jeweiligen Bildinhalte anschaulich nachvollziehbar und erhöhte die Wirkung der Bilder auf den Betrachter enorm.
Einige Fotografien in Memoria erscheinen beinahe wie inszenierte Kompositionen, ganz so, als hätte der Fotograf sie lange im Voraus geplant. Tatsächlich wurden sie in Bruchteilen von Sekunden in Situationen, in denen er nur seinem Instinkt trauen konnte und oft unter Lebensgefahr aufgenommen.
Eingang von Fotografiska Berlin
„Seine Arbeit zeigt aber nicht nur die Schlachtfelder. Er dokumentierte auch die stillen Krisen, die mit den Kriegen einhergehen: Vertreibung, Hungersnot, Verfolgung und die tägliche Tapferkeit der Menschen, die das Unvorstellbare durchleben. Er war dort, wo andere nicht mehr hingingen, und folgte dabei einem Prinzip: Zeugnis ablegen, ohne auszubeuten; Leid zeigen, ohne den Abgebildeten die Würde zu nehmen; und festhalten, dass selbst im Moment der absoluten Verwüstung der Mensch das ist, um was es geht.“ (Pressetext Fotografiska)
Wim Wenders hat das sehr gut auf den Punkt gebracht:
„Wir sollten aufhören, ihn einen „Kriegsfotografen“ zu nennen. Wir sollten ihn vielmehr als einen Mann des Friedens betrachten – als jemanden, dessen Sehnsucht nach Frieden ihn in den Krieg gehen und sich selbst Gefahren aussetzen lässt.“(Pressetext Fotografiska)
Diesen Gedankengang hat Nachtwey selbst als entscheidendes Element seiner fotografischen Arbeit benannt.
„Ich bin ein Zeuge und ich will, dass meine Aussage aufrichtig und unzensiert ist. Ich will auch, dass sie kraftvoll und eloquent ist und so treu wie möglich im Hinblick auf die Erfahrung der Menschen, die ich fotografiere“ (James Nachtwey 2007) und
"I have been a witness, and these pictures are
my testimony. The events I have recorded should
not be forgotten and must not be repeated."
(James Nachtwey | Originalwebsite)
Die nachfolgenden Bilder aus Memoria verdeutlichen eindringlich den moralischen Anspruch seines fotografischen Werkes und zeigen ihn als Humanisten mit der Kamera.
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| Mostar | Bosnia-Herzegovina, 1993 |
Kabul | Afghanistan, 1996
Kabul | Afghanistan, 1996
Darfur | Sudan, 2004
Irpen | Ukraine, 2022
ÜBER DEN KÜNSTLER: James Nachtwey (geb. 1948) zählt zu den wichtigsten Fotojournalisten der letzten fünf Jahrzehnte. Seit 1981 dokumentiert er weltweit Konflikte und gesellschaftliche Umbrüche. Er arbeitete ab 1984 als Vertragsfotograf für TIME, war von 1986 bis 2000 Mitglied von Magnum Photos und von 2001 bis 2008 bei der von ihm mitbegründeten Agentur VII. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Ehrungen: fünfmal die Robert Capa Gold Medal, achtmal den Titel Magazine Photographer of the Year, außerdem zweimal World Press Photo of the Year, den Dan David Prize, den TED Prize und den Princess of Asturias Award. Arbeiten Nachtweys sind in wichtigen internationalen Institutionen vertreten, etwa im Museum of Modern Art, im Whitney Museum of American Art, im San Francisco Museum of Modern Art, im Museum of Fine Arts in Boston, in der National Gallery in Washington, D.C., im Centre Pompidou und im Getty Museum. 2001 wurde Christian Freis „War Photographer“, ein Dokumentarfilm über James Nachtweys Leben und Arbeit, für einen Academy Award nominiert. (Quelle: Pressetext Fotografiska)
Sämtliche Fotos außer anderweitig gekennzeichnete: James Nachtwey und Presseabteilung Fotografiska Berlin. Die Urheberrechte des Fotografen James Nachtwey sind zu beachten.
Weiterführend Links:
Topadressen für internationale Fotografie in Berlin:
Helmut Newton Foundation | Museum für Fotografie







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