Privater Kunstblog zum Thema:

Künstlerisches Handeln in Zeiten globaler Umbrüche


Die Welt von heute scheint aus den Fugen geraten. Sie ist durch große Unsicherheit, Unübersichtlichkeit und Fragilität, Krieg und Flucht, Terror und Gewalt geprägt. Damit ist die Entwicklung unserer zukünftigen Lebenswelten wieder zu einem bedeutsamen Schwerpunkt in der Kunst geworden. Auch die Erkenntnisse und Prognosen der Techniksoziologie und der Zukunftsphilosophie werden zunehmend als Gegenstand der Kunst entdeckt. Die bildende Kunst, das Theater, die Literatur und der Film reagieren darauf auf unterschiedliche Art und Weise. Mich beschäftigt die Frage, wie kann sich der Künstler, der ja Teil dieser Entwicklungen ist, den sich daraus ergebenden existentiellen Herausforderungen sinnvoll nähern? In diesem Zusammenhang möchte ich meine Bilder aus der Zeit um 5 nach 12 in lockerer Folge vorstellen. Texte zu den globalen Auswirkungen des westlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ergänzen diese bildlichen Darstellungen. Über Reaktionen von Künstlern, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, würde ich mich freuen.


Die Wölfe sind zurück

Mit einem Rudel von Wolfsmenschen aus Bronze und Eisen ruft der Brandenburger Künstler Rainer Opolka jetzt auch in Berlin zum Widerstand gegen Rassismus und Gewalt auf. Von Freitag an sind die 66 bedrohlichen Skulpturen vor dem Hauptbahnhof zu sehen - den Blick auf den Reichstag gerichtet. Unter dem Titel "Die Wölfe sind zurück" sollen die gut zwei Meter großen Figuren Hass und Gewalt symbolisieren und die Menschen darüber ins Gespräch bringen. Sie haben Namen wie "NSU Mann", "Mitläufer" oder "Anführer".




Am 05. August 2016 fand um 18.00 Uhr die Ausstellungseröffnung der Berliner Ausstellung auf dem Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof statt. Die dort ausgestellten Wölfe konnten bis zum 16.08.2016 besichtigt werden. Der Künstler war zusammen mit seinem Infoteam persönlich anwesend, und diskutierte mit interessierten Besuchern. Das Ausstellungsangebot wurde von über 120.000 Besuchern wahrgenommen. Die folgenden Fotos zeigen Ausstellungsansichten am Washingtonplatz.  










Erstmals hatte Opolka die Ausstellung Mitte März in Dresden nahe der Frauenkirche gezeigt. «Dort waren einige Reaktionen nicht ganz so freundlich», sagte der Künstler.  
Der Künstler will mit seiner Ausstellung «Die Wölfe sind zurück» durch alle deutschen Landeshauptstädte ziehen. Als nächstes will Opolka Genehmigungen in Hamburg, Bremen, Düsseldorf und Köln bekommen.

Infobroschüre als Free Download
Die Skulpturengruppe wird von einer sehr guten Broschüre begleitet, deren Texte Rainer Opolka selbst verfasst hat. Er beschreibt darin die Ursachen von Rassismus in der Alltagskultur und dokumentiert das öffentliche Wirken von rechtspopulistischen und neonazistischen Gruppierungen.
Die Broschüre enthält auf den Seiten 6 und 7 auch eine Übersicht der einzelnen Skulpturen mit Werkangaben. Die folgenden Fotos zeigen Ausrisse aus der Broschüre. (1)

"Was also passiert, wenn der Mensch des Menschen Wolf wird?" fragt Opolka in seiner Broschüre.
"Die Ausstellung Die Wölfe sind zurück? soll das zeigen 
und uns eine Warnung sein." (2)  

Die Ausstellung der Skulpturen ist mit großen Infotafeln kombiniert, die die Figuren in einen inhaltlichen Kontext stellen.  
Zwölf doppelseitige, bedruckte Tafeln in der Größe von 3,0 x 1,2m umrahmen die Ausstellung. Vorder- und Rückseite sind unterschiedlich gestaltet. Einige Tafeln werden während der Ausstellung ausgetauscht. Die folgenden Fotos zeigen eine Auswahl.






Weiterführende Links:






Quellen:

(1)Ausrissfotos: Fred Tille
Broschüre: "Die Wölfe sind zurück?"
© Rainer Opolka
Courtesy of the artist

(2) Quelle: Infobroschüre des Künstlers zur Ausstellung, S.36

Sämtliche Fotos Fred Tille