Jahrelang
war KI ein Spezialistenthema. Aber nachdem ChatGPT und
Co.
Ende 2022 eines der brennenden Themen des Jahres war, erlebten viele
Menschen dadurch zum ersten Mal, wie weit künstliche Intelligenz
vorangeschritten ist. Auf den Displays ihrer eigenen Smartphones,
Laptops oder auf ihren PC- Bildschirmen erlebten sie, wie sich mit
KI-Werkzeugen wie Midjourney
neben
Texten auch Bilder und Videos in Sekundenschnelle auf völlig neue
Weise erzeugen lassen. Plötzlich redet
alle Welt über KI. In
diesem Post versuche ich alle drei Teile meiner Miniserie
abschließend unter dem Titel „Was soll das Ganze? KI in der
Malerei!“ zu bewerten.
Malroboter
ins Museum?
Angesichts
der Möglichkeiten der
Bildgeneratoren DALL-E
und Midjourney
wirken die von mir vorgestellten Malroboter AIDA
und e-David etwas
antiquiert und irgendwie aus der Zeit gefallen. Im Verhältnis zur
Malerei liegen die Vorteile der Entwicklung von Malrobotern eindeutig
auf Seiten der KI-Wissenschaftler. Der Bau und die Weiterentwicklung
selbstlernender Malroboter powert in erster Linie den Bereich
maschinellen Lernens und künstlicher Intelligenz, Engineering,
Robotik, Computergrafik und Computerdesign. Es ist das Feld der
Programmierer, Informatiker, Ingenieurswissenschaftler und
Webdesigner.Der
Entwicklung menschengemachter Malerei bringen die Malroboter
so gut wie gar nichts.
Selbst
der Ansatz von e-David
durch das Mensch/Maschine
Collaborating weitere maschinengestützte
kreative Schnittstellen innerhalb des breiteren Feldes der
Medienkunst und der Malerei zu entwickeln, schränken den Künstler
mehr ein als ihn in seiner Produktion zu fördern. Wenn
die Medienkünstlerin und Malerin Liat
Grayver sagt
„Der
Roboter arbeitet mit mir, nicht für mich“
ist
sie in ihrem künstlerischen Schaffen abhängig vom Entwicklungsstand
der KI und den technischen Umsetzungsfähigkeiten des Roboters.
Teilweise arbeitet sie dem Roboter in der Verbesserung von dessen
Programmanweisungen
zu. Das würde ich als Behinderung und Einschränkung meiner eigenen
künstlerischen Freiheit betrachten.
 |
| Portrait eines Malroboters | Foto Fred Tille |
Ist
eine Maschine in der Lage, künstlerisch zu denken?
Gerade
bei den Malrobotern kommt es aber darauf an, den Prozess der
semantischen
Segmentierung voranzutreiben, um dem Rechner zu helfen visuelle
Informationen zu verstehen. Bis
es soweit sein könnte, sind aber noch sehr viele Hürden zu
überwinden. Fraglich
ist jedoch, ob Algorithmen im Bereich der Kunst jemals in der Lage
sein werden, wirklich Neues unter Einbeziehung der Reflexion des
Zeitgeistes, der sozialen und gesellschaftlichen Umstände und
Denkweisen und auch unterbewusster Ebenen zu produzieren. Das ist
das, was Künstler und Künstlerinnen oder Kunst eigentlich
auszeichnet.
Obwohl
ich es für eine Sackgasse halte, werden die Forscher an der
Vervollkommnung ihrer Malroboter wahrscheinlich weiterarbeiten, da
sie im Kern ihre Erkenntnisziele auch ohne die Malerei oder außerhalb
der Malerei verfolgen könnten. Deshalb würde ich die Malroboter in
Bezug auf die Entwicklung menschengemachter Malerei ins Museum
stellen.
Das
Modell Lipski; KI
ist meine neue Muse. Der Rechner als Partner des Malers
Am
Beispiel des in Berlin lebenden und arbeitenden Malers Roman
Lipski wird
deutlich, wie der Künstler im Dialog mit KI die Vorschläge des
Rechners als Anregung für von ihm als Maler eigenständig und
eigenhändig gemalten Bilder verwendet. Das ist der entscheidende
Unterschied zu den Malrobotern AIDA und e-David. Dieser hier
beschriebene produktive Austausch zwischen KI und Maler ist für mich
die vielversprechendste Variante der Nutzung von KI in der Malerei.
Allerdings muss
die Kunst die derzeit überwiegende spielerische und unkritische
Phase im Umgang mit KI überwinden und Künstliche Intelligenz als
Werkzeug durch menschliche künstlerische Intelligenz hinterfragen.
 |
| Ein Algorithmus ist in Arbeit. Screenshot YouTube | aus Unfinished |
Der
Kreis schließt sich. Vom Malroboter zu ChatGPT und Co.
DALL-E
z.B. ist ein Deep-Learning-Modell von OpenAI,
mit dem man digitale Bilder anhand von Beschreibungen erzeugen kann.
Auf
der Website von DALL-E
ist ein Bild von einem Astronauten zu finden, der sich auf einem
tropischen Planeten auf einer Sonnenliege entspannt. Das dahinter
stehende Unternehmen Open AI will damit die Arbeitsweise seines
Onlinetools veranschaulichen: Das Erstellen eines Bildes nur mithilfe
eines Beschreibungstextes.
Wenn
verbesserte Versionen Textanfragen deutlich besser verstehen und
Bilder erzeugen, die exakt dem eingetippten Text entsprechen,
eröffnen sich für Maler unglaublich viele Möglichkeiten deutlich
einfacher und schneller, seine Vorstellungen in echte Bilder
umzuwandeln. Diesen
Output können die KünstlerInnen entweder als Endprodukt im Bereich
der digitalen Malerei oder als Ausgangsbasis für analoge Malerei
verwenden.
Damit
wird der Rechner zum dienenden Partner, zur digitalen Muse des
Malers. Künstliche Intelligenz wird dann als Werkzeug der Kunst
genutzt. Eben sowenig wie damals die Fotografie bedeutet diese
Künstliche Intelligenz auch heute nicht den Tod der Malerei. Kein
malender Künstler wird dadurch arbeitslos oder gar überflüssig
werden.
 |
| Kunst im Dialog mit KI. Meisterwerke der Sammlung Burda im Dialog mit künstlichen Wesen, Baden-Baden, 2022/2023 | Foto: Fred Tille |
Fazit:
KI in der Malerei!
Zusammenfassend
und abschließend lässt sich feststellen: In
Bezug auf die Entwicklung der menschengemachten Malerei würde ich
die Malroboter ins Museum stellen. Die neuesten Bildgeneratoren
eröffnen
mit ihren Onlinetools
der
Malerei ungeahnte Möglichkeiten.
Gerade
die jüngere Künstlergeneration, die mit Apple und Microsoft
sozialisiert wurde, hat keinerlei Berührungsängste mit den
wachsenden digitalen Möglichkeiten. Sie bezieht die Algorithmen und
Onlinetools
quasi
als selbstverständliches Werkzeug in ihre Arbeit mit ein. Einige
betrachten Kollege Roboter sogar als ihre Muse zur Steigerung der
eigenen Kreativität. Das gilt in diesem engeren Sinne zunächst nur
für die Malerei.
Für
die Konzeptkunst z.B. war die kritische und kreative Anwendung von KI
schon immer ein Thema, wie das Projekt Tulpen
und Bitcoins
der Künstlerin Anna
Ridler
belegt. Auf jeden Fall dringt die KI immer mehr in alle Bereiche der
Kunst und der Kreativwirtschaft vor. Midjourney,
DALL-E
und
Co
erzeugen mit
wenigen Begriffen Bilder, Zeichnungen, Flyer, Produktpräsentationen,
UX-Designs für Webseiten oder 3D-Renderings. Dafür braucht es
lediglich etwas Übung bei der Erstellung und der Eingabe der
Prompts. Die davon betroffenen Berufsgruppen und Dienstleister können
davon profitieren, aber auch größerem Konkurrenzdruck ausgesetzt
sein.
Im
gesamtgesellschaftlichen Bereich wachsen auch durch die Einfachheit
der Anwendung der Bildgeneratoren die Gefahrenpotentiale durch
missbräuchliche oder kritiklose Anwendung.
 |
| Leben 3.0, Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz, Digitale Collage | Fred Tille 2024 |
Mensch
sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz
Künstliche
Intelligenz kann den Menschen im Endeffekt wahrscheinlich nicht
komplett ersetzen, weil KI einfach die konkrete Erfahrung der Welt
fehlt. Vielleicht will sie den Menschen auch gar nicht ersetzen oder
die menschliche Welt verstehen, weil die Allgemeine
Künstliche Intelligenz
im Endstadium ihrer Entwicklung bei mangelnder menschlicher
Wachsamkeit und gegensteuernder Handlungsbereitschaft völlig
leidenschaftslos die Kontrolle übernehmen könnte. Hierzu zum
Abschluss ein Zitat von Irving
J. Good,
dem
Visionär
Künstlicher
Intelligenz. Bereits im Jahr
1965 , also vor
59 Jahren, formulierte er:
„Die
erste ultraintelligente Maschine ist die letzte Erfindung, die der
Mensch je machen muss, vorausgesetzt, die Maschine ist gutmütig
genug, um uns zu sagen, wie man sie unter Kontrolle behält.“
Sämtliche
Fotos: Fred Tille
Weiterführende
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Semantische
Segmentierung (1)
Eine
Zusammenstellung auf Wikipedia mit einer
beispielhaften
mathematischen Beschreibung.
Also
in English.
Semantische
Segmentierung (2)
Guter
Überblick auf der Homepage von IBM unter der
Fragestellung:
Was ist semantische Segmentierung?
Originalwebsite
von ChatGPT
Only
in English.
Originalwebsite
von DallE3
Only
in English. Mit einem Button: Try ChatGPT
Link
zur Zeitschrift PC-Welt
Mit
dem Bild von einem Astronauten, der sich auf einem tropischen
Planeten auf einer Sonnenliege entspannt. Außerdem ein Beitrag zum
Thema: KI
als Künstler: DALL-E, Midjourney & Co. im Vergleich
Originalwebsite
von Midjourney
Only
in English.
Tulpen
und Bitcoins. Ein Projekt von Anna Ridler
Die
Künstlerin stellt in ihrem Projekt Tulpen in verschiedenen
Blütephasen und Farbübergängen dar und bringt dadurch das
historische Phänomen der niederländischen Tulpenmanie in Verbindung
mit den heutigen Spekulationen über die Blockchain-Technologie. Dazu
verwendet
die Künstlerin für die Arbeit einen Computer Vision Algorithmus,
der sich die blühenden und vergehenden Blumen »vorstellt«. Ein
gutes Beispiel für Computer Vision und Semantische Segmentierung.
Also
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Mosaic
Virus von Anna Ridler im ZKM Karlsruhe
In
den 1630er-Jahren stieg die Besessenheit von exotischen und seltenen
Blumen durch die Niederlande und Europa und verursachte eine
Finanzblase. Der Titel der Arbeit bezieht sich auf ein Virus, das
Schwankungen in der Blütenblattfarbe hervorruft