"Jackson Pollocks Werk »Mural«
ist nicht nur ein herausragendes Bild, es ist auch bahnbrechend für
die Entwicklung der Kunst der amerikanischen Moderne. Mitten im vom
Zweiten Weltkrieg traumatisierten 20. Jahrhundert erschien Pollocks
monumentales Wandgemälde wie ein Tor, durch das der Abstrakte
Expressionismus Einzug hielt." (1)
Vom 25. November 2015 bis zum 10.
April 2016 präsentierte die KunstHalle by Deutsche Bank unter dem
Titel Jackson Pollock´s Mural, Energy Made Visible Pollocks
monumentales Wandgemälde.
2,5 Meter mal 6,0 Meter Malerei für
Peggy Guggenheim
Ohne den
spektakulären Auftrag von Peggy Guggenheim das Entree zu ihrer neuen
Wohnung in Manhattan mit einem Wandgemälde zu versehen, gäbe es
kein Mural und möglicherweise
wäre die gesamte amerikanische Kunstszene eine andere geworden.
Die als etwas
exzentrisch geltende Sammlerin, die nach der Besetzung von Paris
durch die Nazis in die USA zurückgekehrt war, hatte sich in den Kopf
gesetzt, der amerikanischen Malerei eine neue Richtung mit mehr Drive
zu geben. Der junge Pollock, damals ein noch unbekannter Maler,
erschien ihr da als der richtige Mann. Und Pollock nutzte die
einmalige Chance, die sich ihm bot.
Wenn
der Malpinsel zum Schlaginstrument wird
Im Sommer 1943
machte er sich an die Umsetzung von Mural auf
der größten Leinwand, die Pollock jemals bearbeitet hatte. Er wagte
den großen Wurf.
Pollock machte
Schluss mit der Begrenzung des Bildes durch einen Rahmen. Er holte es
von der Staffelei auf den Boden und er malte mit vollem
Körpereinsatz. Den kassischen Malpinsel nutzte er-wenn überhaupt-
nur noch als Schlaginstrument für den kraftvollen Farbauftrag. Für
Pollock wurde die Leinwand zu einem vitalen Kraftfeld. So radikal im
künstlerischen Zugriff war keiner vor ihm gewesen. Es kam einer
Revolution in der Malerei gleich und Mural wurde zur
Geburtsstunde des Action Paintings und des bedeutendsten Künstlers
der USA. Sein Werk wurde zum Fanal des Abstrakten Expressionismus.
Auf der riesigen Fläche von Mural fand Pollock künstlerisch
zu sich selbst, zur großen Geste und zur explosiven Kraft seiner
Drip Paintings, mit denen er 1947 begann. Bald nannte man ihn Jack
the Dripper.
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Jackson Pollock’s Mural: Energy
Made Visible
Jackson Pollock’s
Mural: Energy Made Visible lautete der Titel der Ausstellung in
Berlin.
"Im Zentrum
von »Mural« steht Pollocks Absicht, Energie und Bewegung sichtbar
zu machen und eigene mentale Bildvorstellungen abzubilden. Der 1912
in Wyoming geborene Künstler war inspiriert vom weiten offenen Raum
des Westens, den ungebändigten Kräften der Natur und der vitalen
Ursprünglichkeit Amerikas als Gegenbild zur raffinierten
europäischen Kultur. »Jackson Pollock’s Mural: Energy Made
Visible« dokumentiert, warum dieses Bild die Kunstgeschichte
revolutioniert hat." (2)
In Mural
entfalten sich hier erstmals in
radikaler Freiheit die halb-abstrakten Figurationen. Wie Flammen
flackern die Formen auf, die Pollock zuvor an vielen Kleinformaten
erprobt hatte.
Mural
| Tanz der Kreaturen
Die
Kreaturen, die länglichen schwarzen Figuren, eine
Art Dämonen, Irrwische, Vogelköpfe, Schlangenleiber und bizarre
Augengewächse tanzen, wirbeln schlingernd durcheinander. Über sie
legen sich grünliche Zeichen, die ihren eigenen Tanz aufführen. Das
Ganze vermengt sich zum all-over-painting. Die Farbe ist noch gezähmt
und trotz aller Wildheit zeigt sich deutlich, dass die bemalte Fläche
eine vom Maler komponierte und durchaus kontrollierte Show ist.
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Mural Detailansicht
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Muralismo,
Totems und Picasso
Auf
der Suche nach Inspirationsquellen wandten sich die Abstrakten
Expressionisten verschiedenenen Quellen zu.
Pollock´s
monumentales Mural vereint in sich völlig neue, divergente
Einflüsse des mexikanischen Muralismo von Diego Rivera, der
Bildsprache der Ureinwohner Nordamerikas, des Schaffens Picassos –
insbesondere aus der Periode seines Werks »Guernica« (1937) – und
der Reportagefotografie der Kriegsjahre.
Eine
aufschlussreiche ergänzende Präsentation weiterer zentraler Werke
Pollock´s zeigte in Berlin die Vorgeschichte, Inspirationsquellen
und Nachwirkungen seines künstlerischen Schaffens.
So führte die Schau vor wie Pollock
vor Mural an viel kleineren Formaten arbeitete. Figürlich wie
man am weißen Strichmännchen Icarus oder an Bird Effort
sehen kann.
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Links: Icarus-Rechts:
Bird Effort
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In den Jahren 1935 bis 1938 entstanden
die kleinformatigen Panels A-D auf Hartfaserplatten. Ein
strenger, abstrakter Pollock in Minigröße und durchaus ein
Vorläuferentwurf für das spätere Mural.
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Jackson Pollock,
Untitled Panels A-D, ca. 1934-38
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Einflussreich war auch Pollocks
Interesse an der Action Photography, die er in einer
Fotoausstellung, die 1943 im MoMA lief, kennenlernte, als er gerade
an Mural arbeitete. Hier war es insbesondere das Prinzip von
Reihung und Rhythmus, das ihn faszinierte und das in Mural als
Basiselement wiederzufinden ist.
Hervorzuheben
sind dabei auch noch die Fotografien von Herbert Matter, Barbara
Morgan und Gjon Mili, die eine große Inspirationsquelle für Jackson
Pollocks Vorstellungen von der malerischen Darstellung menschlicher
Energie darstellten.
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Action
Photography-Ausstellungsansicht
Gijon Mili, Alfred
Hitchcock during the filming of "Shadow of a Doubt", 1943
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Eine
Auswahl von Arbeiten von Künstlern, die ihm nahe standen oder von
Künstlern, die in der Folgezeit auf sein künstlerisches Vermächtnis
reagierten, wurde in der Berliner Ausstellung ebenfalls gezeigt.
Lee
Krasner und Robert Motherwell sowie Andy Warhol und David Reed seien
hier besonders erwähnt.
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Oben links: Robert
Motherwell, Elegy to the Spanish Republic, No. 126, 1965-1975-Unten
links: Lee Krasner, Another Storm, 1963-oben rechts: David Reed,
#600-3,-Unten rechts: Andy Warhol, Yarn Painting, 1983
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Der
Anfang am Ende
Zweiter Weltkrieg, Judenverfolgung und
die Verdammung der modernen Kunst durch die Nationalsozialisten als
Entartete Kunst führten
zu einer Immigrationswelle europäischer Künstler in die USA.
Sie übten dadurch starken Einfluss auf zeitgenössische
amerikanische Künstler aus.
Dabei handelt es sich weniger um eine
Stilrichtung als ein Konzept, Kunst in spontaner Weise und ohne die
Beschränkung durch herkömmliche Formen auszuführen. Die
surrealistische Haltung als eine Voraussetzung freien Schaffens hatte
einen bedeutenden Einfluss auf die Anfänge des Abstrakten
Expressionismus. Zu den führenden Kräften der Bewegung zählten
Jackson Pollock, Willem de Kooning und Mark Rothko. Diese Generation
der Künstler ist von einer tiefen Skepsis gegenüber zweifelhaften
Auswüchsen des Fortschritts geprägt, vor allem durch die
Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und dem Abwurf der Atombombe auf
Hiroshima und Nagasaki im Sommer 1945 und die Gefahr einer aus dem
Gleichgewicht geratenen Wissenschaft im Allgemeinen.
"Ich selbst hatte in jener Zeit,
um ´41 herum, das Gefühl, die Welt nähere sich ihrem Ende. Und
wenn die Welt zu Ende ging, spielte die Malerei...keine Rolle mehr",
erinnerte sich Barnett Newman später in einem Interview.
Doch weder die Welt noch die Kunst
gingen zu Ende. Ganz im Gegenteil. Die Künstler des Abstrakten
Amerikanischen Expressionismus verarbeiteten zeitweise in ihren
Werken die Traumatisierungen des
20. Jahrhunderts und eines ist klar: Jackson Pollock
revolutionierte damals auch in seinen künstlerischen Reaktionen auf
die verheerenden Umwälzungen jener Zeit die gesamte Kunstwelt und
beeinflusst Künstler bis heute.
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Blicke in die
Ausstellung
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Pollock vor Mural
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Jackson Pollock
Paul Jackson Pollock (* 28. Januar 1912
in Cody, Wyoming; † 11. August 1956 in Springs-East Hampton, New
York)
Pollock wurde bekannt mit der von ihm
begründeten Stilrichtung des Action Painting. Seine im
Drip-Painting-Verfahren angefertigten großformatigen Werke brachten
ihm bereits zu Lebzeiten den Spitznamen „Jack the Dripper“ ein.
Pollock war mit der Malerin Lee Krasner
verheiratet, mit der er eine Ateliergemeinschaft hatte.
Von 1929 bis 1931 studierte er an der
Art Students League in New York
Von 1930 bis 1935 folgten Reisen und
Aufenthalte in den Weststaaten und gelegentliche Besuche bei den
Navahoindianern in New Mexico
Pollock studierte von 1925 bis 1927
Kunst an der Manual Arts High School in Los Angeles und arbeitete in
den Jahren 1927 bis 1929 als Landvermesser in Kalifornien. Er
heiratete Lee Krasner im Oktober 1945.
Für die amerikanische Bevölkerung
wurde er 1949 durch einen vierseitigen Bericht im Magazin Life zum
bekanntesten jungen Maler. Man begann, ihn im beginnenden Kalten
Krieg als Botschafter des wilden, ungezügelten,
demokratisch-freiheitlichen Amerika zu vermarkten.
Pollock gehörte 1950 zu den drei
Künstlern, die zur Biennale nach Venedig entsandt wurden.
Wenig später kamen allerdings sein
Alkoholismus und seine psychischen Probleme erneut zum Ausbruch, die
eine permanente Arbeitsblockade hervorriefen.
1956
verursachte Pollock unter Alkoholeinfluss einen schweren Autounfall
mit seinem Cabrio, den er nicht überlebte. (3)
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KunstHalle by Deutsche
Bank Berlin-Unter den Linden/Friedrichstrasse
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Quellen:
(1)
Begleitbroschüre zur Ausstellung by KunstHalle Deutsche Bank Berlin
(2)
Ebd.
(3)
Wikipedia
Weiterführende
Links:
Sämtliche Fotos:
Fred Tille
Obwohl meine Fotos
im Rahmen der tagesaktuellen Berichterstattung nur allgemeine
Ausstellungsansichten ohne explizite, detaillierte Werkfototos
zeigen, bitte ich die Urheberrechte der Künstler bzw. deren
rechtlichen Vertretungen an den Werken zu beachten.
Für
die Bilder von Jackson Pollock:
©
Pollock-Krasner Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Für
die Bilder anderer Künstler:
©
Nachweise s. Flyer zur Ausstellung
Courtesy
of KunstHalle by Deutsche Bank | Berlin
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Pollokmania | Gitarre
"Jackson Pollock" - Waterstone Guitars Nashville im
ArtStore der KunstHalle
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