Privater Kunstblog zum Thema:

Künstlerisches Handeln in Zeiten globaler Umbrüche


Die Welt von heute scheint aus den Fugen geraten. Sie ist durch große Unsicherheit, Unübersichtlichkeit und Fragilität, Krieg und Flucht, Terror und Gewalt geprägt. Damit ist die Entwicklung unserer zukünftigen Lebenswelten wieder zu einem bedeutsamen Schwerpunkt in der Kunst geworden. Auch die Erkenntnisse und Prognosen der Techniksoziologie und der Zukunftsphilosophie werden zunehmend als Gegenstand der Kunst entdeckt. Die bildende Kunst, das Theater, die Literatur und der Film reagieren darauf auf unterschiedliche Art und Weise. Mich beschäftigt die Frage, wie kann sich der Künstler, der ja Teil dieser Entwicklungen ist, den sich daraus ergebenden existentiellen Herausforderungen sinnvoll nähern? In diesem Zusammenhang möchte ich meine Bilder aus der Zeit um 5 nach 12 in lockerer Folge vorstellen. Texte zu den globalen Auswirkungen des westlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ergänzen diese bildlichen Darstellungen. Über Reaktionen von Künstlern, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, würde ich mich freuen.


SpotLights Berlin

Sonntag, 24. Mai 2020

Bisky geht an die Decke! Dystopische Himmelslandschaft in der St. Matthäus Kirche / Berlin | Teil 1


Thematisch passend zum Jubiläum 30 Jahre nach dem Mauerfall ist Norbert Bisky in Berlin und Potsdam über den Jahreswechsel 2019/2020 mit einer Doppelausstellung RANT und POMPA zu DDR und Mauerfall sehr präsent. 

Der in der DDR geborene Maler verarbeitet 30 Jahre nach dem Mauerfall künstlerisch seine Erfahrungen mit Teilung und Wiedervereinigung und verbindet diese mit der Frage nach den Leitbildern unserer Zeit.

Während die Ausstellung RANT in Potsdam sich mit den Ereignissen um den Mauerfall beschäftigt, liegt der Fokus für die Berliner Schau mit dem Titel POMPA auf den Jahrzehnten nach der Wende.

Die Basics der künstlerischen Positionen von Bisky könnt ihr in meinem Post Trilemma nachlesen.

In diesem Post will ich aber den Schwerpunkt darauf legen, welche spezielle Präsentationsform der Künstler gewählt hat. In der St. Matthäuskirche geht Bisky an die Decke!

Eingang der St. Matthäuskirche mit Bisky-Banner. 
Im Hintergrund der Potsdamer Platz.

Bisky geht an die Decke!


Als Norbert Bisky die St. Matthäus Kirche zum ersten mal betrat, um einen Eindruck vom Ort seiner geplanten Ausstellung zu bekommen, hatte er spontan die Idee seine Bilder unter die Decke zu hängen. Zu seiner Überraschung zeigten sich die Ausstellungsverantwortlichen der Kirche nicht als skeptische Bedenkenträger, sondern offen für diese Präsentationsmöglichkeit. Wie es dann zur Realisierung kam, berichtete Bisky im Rahmen eines Künstlergesprächs in der St. Matthäus-Kirche.

Auf dieses Künstlergespräch beziehe ich mich, wenn ich im folgenden Text aus meinem Gedächtnisprotokoll und meinen Aufzeichnungen Bisky zitiere oder über dessen künstlerische Beweggründe spreche. 

Künstlergespräch mit Norbert Bisky am 23. Januar 2020. 
Das Gespräch führte Ingeborg Ruthe, Kunstredakteurin der Berliner Zeitung.


Die biskynische Kapelle


Mit dieser für die Berliner Zeitung taz typischen Überschrift berichtete das Blatt über Biskys Coup, seine Bilder hoch oben an der hölzernen Kirchendecke zu installieren, so wie man es aus barocken Kirchen kennt. Die Anspielung auf die berühmte Sixtinische Kapelle, eine der Kapellen des Papstpalastes unmittelbar nördlich des Petersdoms gelegen, und auf das noch berühmtere Deckengemälde von Michelangelo wirkt auf den ersten Blick sehr kühn.  

Bild oben: Sixtinische Kapelle, Quelle Wikipedia CC BY-SA 3.0 
Bild unten: St. Matthäus Kirche  

Betrachtet man jedoch Biskys gewaltiges Figurenszenario, die taumelnden oder durch die Luft fliegenden Menschen vor dramatischen Himmelslandschaften, können sich Assoziationen zu den italienischen Manieristen einstellen. Andere denken an Goya und weitere spanische Altmeister. Im bereits erwähnten Künstlergespräch schilderte Bisky wie er in den Neunzigern mit einem Stipendium in Madrid arbeiten konnte und die Kunst der alten Meister geradezu aufgesogen hatte. Mit einer Kopiergenehmigung des Prado zog er täglich mit Zeichenblock und Malkarton ins Museum und studierte und kopierte seine favorisierten Maler. Zusammen mit den italienischen Meistern sind sie bis heute eine starke Inspirationsquelle für Biskys Malerei.
Vor diesem Hintergrund erscheint dann der Vergleich mit der Deckenmalerei von Michelangelo aus künstlerischer Sicht gar nicht mehr so kühn und abwegig.

Blick auf die aufwändige Deckeninstallation 
älterer und neuerer Werke von Norbert Bisky


Welchen Göttern huldigen wir heute?


Mit seiner aufwändigen Deckeninstallation älterer und neuer Werke zeigt Norbert Bisky seinen Blick auf die Welt nach 1989 in einer dystopischen Himmelslandschaft: Auch der Titel Pompa stellt einen sakralen Bezug her. Der Begriff kommt aus dem lateinischen und bedeutet in der Übersetzung Geleit/Leitung. Pompa bezeichnete im alten Rom religiöse Festprozessionen mit Götter- und Ahnenbildern. Welchen Göttern huldigen wir heute? Welche Bilder prägen heute unser kulturelles und religiöses Gedächtnis? Diese Fragen stellt die Berliner Präsentation. Sie findet parallel zur Ausstellung RANT von Norbert Bisky in der Villa Schöningen in Potsdam statt.

Rant ist eine Umschreibung aus dem englischen für Gezeter und Hetze im Netz, deren Urheber sich jedoch meist hinter Pseudonymen verstecken.

Die Plakate der Parallelausstellungen. Oberes Bild: Berlin | Unteres Bild: Potsdam


Bisky trifft Tintoretto in Venedig

Aber zurück zu Biskys Beweggründen für die Deckeninstallation.

 "Ich denke viel nach über die Präsentation von moderner Malerei als Deckenbilder. Gerade weil das so aus der Zeit gefallen scheint" und weiter...
 „Ich bin gerne in Kirchen, Moscheen, Synagogen. Da komme ich zur Ruhe, zum Nachdenken über die Welt. Unlängst war ich in Venedig, die Deckenbilder in Kirchen und Palazzi gehen mir nicht aus dem Kopf.“ 

Über Bisky und Tintoretto in Venedig und darüber wie tückisch eine Deckenpräsentation sein kann, berichte ich demnächst in Teil 2 meines Blogpost Bisky geht an die Decke!

Die Ausstellungen:
Rant, Villa Schöningen, 9. November 2019 bis 23. Februar 2020,
Pompa, Berliner St. Matthäus-Kirche, 10. November 2019 bis 16. Februar 2020

Sämtliche Fotos mit Ausnahme der extra gekennzeichneten: Fred Tille 
Obwohl meine Fotos nur allgemeine Ausstellungsansichten und keine expliziten, detaillierten Werkfotos zeigen, bitte ich die Urheberrechte des Künstlers Norbert Bisky an seinen Werken zu beachten.

Weiterführende Links:




Sonntag, 9. Februar 2020

Es lebe das Kino!


ZeitBild | Nr. 4


Es lebe das Kino!
ZeitBild | Nr. 4
Osterode im Harz am 16.09.2018. Das Bild zeigt die Überreste des einstigen Osteroder Lichtspielhauses. Oben links ist noch sehr gut die schwarze Wand mit den Öffnungen für die Filmprojektoren zu erkennen. Am rechten unteren Bildrand das melancholische Graffiti „Wir wollen Kino.“



Das Kino ist tot, es lebe das Kino 

Rechtzeitig zum Start der 70. Berlinale wird der Film Das Kino ist tot, es lebe das Kino von Thomas Schadt vorgestellt. Der Regisseur begleitete im Februar 2019 Dieter Kosslick bei seinem letzten Auftritt als Leiter des beliebtesten und größten Filmfestivals Deutschlands. Es lebe das Kino, ein Aufruf, der kurz vor der Berlinale auf offene Ohren stößt. 

Im letzten Jahr verzeichnete das Festival knapp 500 000 Kinobesuche. Eine Stadt im Filmfieber lässt vergessen, dass Kinos verschwinden - nicht nur in kleinen Städten der Provinz wie das Beispiel des Osteroder Lichtspielhauses zeigt. Auch mitten in Berlin, am Kurfürstendamm, sind von den einstmals 22 Kinos nur zwei, das Cinema Paris und die luxuriös umgebaute Astor Film Lounge übrig geblieben.

Flagship-Store von Apple statt Filmbühne Wien 

Kapitalstarke Unternehmen ziehen in die einstigen Kinostandorte ein. So werden jetzt im ehemals renommierten Ku´damm- Kino Filmbühne Wien hochpreisige Produkte im Flagship-Store von Apple verkauft. Horrend gestiegene Miet- und Immobilienpreise lassen es kaum mehr zu, dass Kinos in attraktiven Lagen überleben. 

Opfer dieser Verdrängung wurde auch das bundesweit einmalige Multikplexkino CineStar im Sony Center am Potsdamer Platz. Denn das Kino hatte nicht nur als besondere Attraktion das Imax-Kino mit seiner XXL-Leinwand im Obergeschoss. Sein Alleinstellungsmerkmal war, dass in allen seinen acht Sälen Filme ausschließlich in der englischsprachigen Originalversion liefen. Es war auch ein Superangebot für die vielen Touristen und fremdsprachigen Bürger der Stadt.

Hier ist das CineStar-Kino noch ein fester Bestandteil des Sony-Centers. Doch zum 31. Dezember 2019 gingen hier die Lichter aus.  

2400 Kinoplätze waren auf einen Schlag weg

Zum 31. Dezember 2019 waren auf einen Schlag nicht nur 2400 Kinoplätze weg, sondern auch die zentrale Spielstätte für die 70. Berlinale im Februar 2020. Nun weicht das Festival stattdessen in das Cubix am Alexanderplatz aus, ebenfalls ein CineStar-Haus, das bislang zwei Säle für das Filmfest reservierte. Das Cubix wird jetzt komplett zur Festivalstätte. 

Ein weiterer Umstand erschwert das Festival: Der sonst so quirlige Potsdamer Platz sieht in diesem Jahr ziemlich öde aus. Die Potsdamer Platz Arkaden sind wegen Umbaus fast leer. Der Ticketcounter und der Merchandisingstand der Berlinale sind nach wie vor dort. Wenigstens etwas. Ansonsten findet die Berlinale in einer geisterstadtähnlichen Umgebung statt. Mehr Infos zum Potsdamer Platz findet ihr in meinem Post Berlin - Metropolis | Zwei Stadtvisionen im Modell.

Filmkonsum in Zeiten von Streaming | Viele offene Fragen zur Zukunft des Kinos

Wie soll das Kino im Konkurrenzreigen der anderen Bildmedien grundsätzlich reagieren?
So fragt sich Joe Russo, Regisseur von Avengers: Endgame, wie man angesichts der vielen Möglichkeiten, audiovisuelle Inhalte sehen zu können, Menschen dazu bringen kann, das Heim zu verlassen. Über die gängigen vier bis fünf Kinobesuche pro Jahr dürfte es kaum hinausgehen

Wie dem auch sei, die Abwanderung zu den Streaming-Angeboten wird zunehmen. Nach den mehr als 150 Millionen Nutzern von Netflix und mehreren kleinen Anbietern kommen jetzt die echten Schwergewichte mit ihren Angeboten auf den Streaming-Markt. Neben Warner, HBO Max und Apple+ steigt 2020 mit Disney der größte Filmkonzern der Welt auch in Europa in die sogenannten Streaming Wars ein. 

Netflix zum Beispiel ließ Martin Scorsese sein Gangster-Epos The Irishman für die marktüblichen 150 Millionen Dollar produzieren. Scorsese hat das Publikum übrigens ausdrücklich gebeten, seinen Film nicht auf dem kleinen Handy zu sehen, sondern wenigstens ein Tablet dafür zu benutzen. So weit ist es schon gekommen.

Blick in das Sony Center

Wo liegt der Mehrwert eines Kinobesuchs z.B. auch und besonders für ein junges, netzaffines Publikum?
Downloads und Streaming Dienste beweisen wie groß das Interesse an Filmen gerade bei dieser Altersgruppe ist. Man darf auch nicht vergessen, dass Kino immer teurer wird. Für Karte, Popcorn, Parkhaus sind mal eben 50 Euro schnell weg, wenn man mit der Familie unterwegs ist. Eine grundsätzliche Neuausrichtung des Kinoerlebnisses hin zu mehr Individualisierung und Spezifizierung ist deshalb eine Perspektive, um das Kino in eine neue Zukunft zu führen.

Was kommt auf die Kinobetreiber zu?
Die derzeitige Situation ist auch im internationalen Rahmen für Kinobetreiber komplex und vielschichtig. Die Kinobetreiber sind mit der Notwendigkeit zu Neuinvestitionen konfrontiert, die die Digitalisierung mit sich bringt. Im Unterschied zur alten Vorführtechnik, wo ein Projektor viele Jahrzehnte lief, muss die Technik jetzt alle fünf Jahre auf den neusten Stand gebracht werden. Ausgaben im fünfstelligen Bereich pro Gerät zieht dies nach sich.

Das Überangebot an Filmen, ist für Kinobetreiber kaum zu bewältigen. Jährlich konkurrieren 600 Erstaufführungsfilme, davon 240 neue deutsche Filme, um einen Kinostart. Dies erzeugt Unübersichtlichkeit und viel zu kurze Auswertungszeiten.
Ob das Kino zukünftig überhaupt noch der wichtigste Wahrnehmungsraum für Film sein wird, könnte dabei die übergeordnete Frage sein.

So sah es 2016 zur Berlinale am Potsdamer Platz aus. Der Traum der Filmschaffenden: Einmal auf dem roten Teppich zusammen mit dem Festivaldirektor.

Zum Abschluss möchte ich Carlo Chatrian zitieren, der zusammen mit Mariette Rissenbeek die neue Berlinaleleitung bildet.

Man hat das Kino immer wieder für tot erklärt. Und doch lebt es nach wie vor. Weil da immer diese Notwendigkeit ist, einen Blick in die Welt zu haben. Und mit Geschichten berührt zu werden, die fern von unseren eigenen sind. Das Kino wird immer eine Kunstform für das große Publikum sein. (1)

 (1) Quelle: Berliner Morgenpost v. 09.02.2020

Sämtliche Fotos: Fred Tille


Sonntag, 5. Januar 2020

2020 - Dekade des Umbruchs? | Zukunft im kommenden Jahrzehnt


Den Beginn des Jahres 2020 nehmen viele Medien, Autoren und Wissenschaftler zum Anlass, um mehr oder weniger fundierte Prognosen für die Zeit bis 2030 zu stellen. Gemeinsam ist allen Einschätzungen, dass die Veränderungen im kommenden Jahrzehnt die Welt wohl stärker verändern werden als je zuvor. Einige Trends lassen sich durch Prolongierung der Gegenwart relativ sicher vorhersehen, andere nur erahnen.

Bis bald, in der Zukunft! FUTURIUM Berlin

Um einen Blick in die Zukunft zu werfen, braucht es keine Kristallkugel. Hierfür gibt es in Berlin mit dem FUTURIUM neuerdings eine vielversprechende Adresse. Das Futurium ist ein Haus der Zukünfte. Hier dreht sich alles um die Frage: Wie wollen wir leben? Das interaktive Museum stellt sich allen Fragen der Zukunft: Wie wollen wir leben? Feiere ich irgendwann meinen 130. Geburtstag? Essen wir bald nur noch Insekten?  

Das Futurium soll ein Forum für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in der Hauptstadt sein. Das Futurium befindet sich zwischen Reichstag und Hauptbahnhof, direkt an der Spree. Die Berliner Architekten Richter und Musikowski setzten bei Ihrem Entwurf auf Offenheit und klare, skulpturale Formen. Das gesamte Gebäude entspricht dem Standard eines Niedrigst-Energiehauses. Das Futurium bietet auf drei Etagen rund 3.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Ausstellung und Labor

Das Futurium ist in Ausstellung und Labor unterteilt. Beides ist interaktiv, im Labor werden auch Workshops angeboten. Zu Beginn schnallt man sich ein Armband um, damit kann man sich in der Ausstellung an verschiedenen Stationen einscannen. So kann man sich zwischen verschiedenen Zukunftsmodellen entscheiden. 




Armband (kleiner Bildausschnitt) mit ausgedruckter Karte mit einem Code 


Am Ende lässt man sein Armband in der Zukunftsmaschine auswerten – die druckt dann eine Karte mit einem Code aus. Den kann der Besucher auf der Webseite eingeben. Je nach gescannten Zukunftsmodellen erfährt man dann, was für eine Art Zukunftstyp man ist.

Haus der Zukünfte

Das Futurium ist ein Haus der Zukünfte. Hier dreht sich alles um die Frage: Wie wollen wir leben? In der Ausstellung können Besucher viele mögliche Zukünfte entdecken, im Forum gemeinsam diskutieren und im Futurium Lab eigene Ideen ausprobieren. Hier einige Beispiele aus der Ausstellung.


Fliegende Kraftwerke: Windturbinen decken schon heute zwanzig Prozent der deutschen Stromversorgung. Sie ernten Wind in über 100 Metern Höhe. Allerdings ist bei 150 Metern Schluss. Doch je höher man kommt, desto stärker und regelmäßiger weht der Wind. Forscher entwickeln daher Anlagen, die fliegen und 300 bis 500 Meter in der Luft aufsteigen können.

Neo-Natur: Von Menschen gemachte Umgebung-die Neo Natur- verändert sich durch unsere Eingriffe ständig. Wenn wir uns in der Gestaltung der Umwelt stärker von der Natur beeinflussen lassen, können faszinierende Gebilde entstehen. Die große Holzskulptur zeigt, wie das aussehen kann, wenn die einzelnen Elemente durch einen Algorithmus berechnet werden. Und zwar so, das aus elf verschiedenen Bauteilen ein komplexes, einzigartiges Objekt entstanden ist. Ein enges Zusammenspiel von Natur und Technik.

Das Futurium feierte vom 5. bis 8. September 2019 seine Eröffnung mit einem großen „Fest der Zukünfte“. Ab sofort kann das Haus der Zukünfte mit Ausstellung, Forum und Futurium Lab besucht werden. Der Eintritt ist frei. Zumindest bis Ende 2022


Auf dem Dach des Hauses bietet der Skywalk nicht nur einen Blick auf die zahlreichen Kollektorfelder für Photovoltaik, sondern bietet ebenfalls eine tolle Aussicht auf den Spreebogen und das Kanzleramt.

Sämtliche Fotos: Fred Tille

Weiterführende Informationen zum Futurium:



Montag, 19. August 2019

Bäume im Museum

ZeitBild | Nr. 3


Bäume im Museum
ZeitBild | Nr. 3
Nationalgalerie wird vor Sanierung zum Wald.
Bevor die Neue Nationalgalerie Berlin für Sanierungsarbeiten geschlossen wurde, hat Stararchitekt David Chipperfield 144 Baumstämme in die große Glashalle des berühmten Mies-van-der-Rohe-Baus gesetzt.
Sticks and Stones nennt Chipperfield seine Installation.
Foto: Fred Tille

Wenn Wald zerstört wird | Zwei Beispiele:
Amazonas-Regenwald | Brasilien


Wenn Wald zerstört oder auch nur in seiner Zusammensetzung verändert wird, dann ist das ein ziemlich verheerender Eingriff in ein natürliches System mit vielen Auswirkungen, auch auf das Klima.

So ist der Amazonas-Regenwald mit einer Fläche von 5,5 Millionen Quadratkilometern ein gewaltiger Kohlenstoffspeicher. Ihn zu erhalten, ist unerlässlich, wenn die Klimakrise nicht weiter verschärft werden soll.

Mehr als zwei Drittel des Amazonas-Regenwaldes liegen in Brasilien und seit Bolsonaro in Brasilien an der Macht ist, wird dort immer mehr Wald abgeholzt.
Der größte Regenwald der Erde ist in akuter Gefahr.


Hambacher Forst | Deutschland


Ein anderes Beispiel aus Deutschland. Für den größten europäischen Braunkohletagebau Hambach zwischen Aachen und Köln wurde der früher einmal 4100 Hektar große Wald mit jahrhundertealten Buchen und Eichen im Laufe der Jahre bis auf 200 Hektar abgeholzt. Der Energiekonzern RWE wollte Anfang Oktober 2018 eigentlich noch gut hundert von den verbliebenen 200 Hektar des Waldes für seinen Braunkohletagebau abholzen. 

Gegen die Rodung hatten Klimaaktivisten über Jahre mit ihrer Wald-Besetzung gegen die Braunkohle und für den Klimaschutz demonstriert.
Durch einen Eilbeschluss des Oberverwaltungsgerichts Münster wurde eine Rodung des Hambacher Waldes zunächst für mindestens ein Jahr gestoppt.
Der Hambacher Forst gilt mittlerweile als Symbol für den Widerstand gegen die Braunkohle-Verstromung und für den Klimaschutz.

Die Beispiele zeigen. Die Wälder der Erde sind in Gefahr und wenn nicht sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden, können wir in nicht allzu ferner Zukunft Bäume nur noch im Museum bewundern.


Prinzip Hoffnung 1: Der WeltWald Harz | Deutschland


Der WeltWald Harz liegt am Nordwestrand des Harzes bei Bad Grund. Er besteht seit 1975. Auf dem Gebiet um die Stadt Bad Grund wurden auf einer Fläche von etwa 100 ha 285 Baum- und 238 Straucharten aus verschiedenen Wäldern der gemäßigten Klimazone angepflanzt und bewirtschaftet. Insgesamt befinden sich hier 113.000 Gehölze.  Der WeltWald Harz ist ein Forschungs- und Schutzprojekt, das Anlass zur Hoffnung gibt.
Foto: Fred Tille


Prinzip Hoffnung 2:  For Forest


For Forest ist ein Kunstprojekt des Installationskünstlers Klaus Littmann, das am 8. September 2019 in Klagenfurt für die Öffentlichkeit geöffnet wurde. 299 rund 14 Meter hohe Bäume wurden im Wörthersee Stadion im Sommer auf das Spielfeld gestellt, die man bis zum 27. Oktober bei freiem Eintritt ansehen kann. (Quelle Wikipedia)  

Übrigens: Die Bäume in der Neue Nationalgalerie Berlin sind jedoch nicht extra für diese Kunstaktion gefällt worden. Laut Chipperfield stammen sie aus einem Privatwald und konnten wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse nicht wie üblich nach 70 bis 80 Jahren geschlagen werden. Jetzt im Alter von 100 Jahren wurden sie forstwirtschaftlich verwertet und quasi als Zwischennutzung für die Kunstaktion ausgeliehen. 



Samstag, 12. Januar 2019

Shakespeare als Automechaniker | Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz


Künstliche Intelligenz hat zur Zeit Hochkonjunktur. Google machte im Herbst 2018 mit einer Sonderbeilage im Nachrichtenmagazin Der Spiegel Werbung in eigener Sache. Unter dem Titel Aufbruch|Künstliche Intelligenz| Was sie bedeutet und wie sie unser Leben verändert| versucht Google Chancen und Risiken dieser Technologie anzusprechen. Hollywood hatte sich dieses Themas schon viele Jahre zuvor dankbar angenommen und in Filmen wie Minority Report, I Robot, AI und Robocop die Herrschaft der Maschinen über den Menschen abgehandelt.

Albert Serra hat erstmalig das Thema Singularity als Teilaspekt des Komplexes Künstliche Intelligenz künstlerisch bearbeitet. SINGULARITY | Ein Kunstprojekt von Albert Serra kuratiert von Chus Martinez und produziert vom Institut Ramon Llull | Catalonia in Venice at LA BIENNALE DI VENEZIA | 56th International Art Exhibition | Eventi Collaterali  

Dabei ist die Geschichte der Künstlichen Intelligenz eine Geschichte von grotesk überzogenen Erwartungen. Das Spektrum reichte von einer Maschine, die bereits 1978 unter anderem die Fähigkeit haben sollte, Shakespeare zu lesen und die beweglichen Teile eines Autos zu schmieren bis zu den Transhumanisten von heute, die durch Mind upload das ewige Leben versprechen. In diesem Zusammenhang möchte auch ich Werbung in eigener Sache machen und die Lektüre meines Blogpost „Noch 30 Jahre bis 2045 | Singularity-Was bleibt vom Menschen?“ empfehlen. In meinem Beitrag könnt ihr u.a erfahren, dass die Firma Alcor in Scottsdale, Arizona (USA) bereits 2004 für 120.000 Dollar die kryonische Aufbewahrung des ganzen Körpers offerierte. 


In einer Videoinstallation über mehrere Bildschirme zeigt Serra die Bedrohung des Menschen durch Maschinen. Hier ist es eine Drohne.


Die Möglichkeiten und Gefahren von jetzt schon verfügbaren intelligenten Maschinen hat mich zur folgenden Zitatcollage inspiriert. Hier kommen bekannte und weniger bekannte Akteure auf dem weiten Feld der Forschung und Entwicklung zur KI zu Wort.

Shakespeare als Automechaniker


"In drei bis acht Jahren (ab 1970 gerechnet)* werden wir eine Maschine mit der allgemeinen Intelligenz eines durchschnittlichen Menschen haben, eine Maschine, die Shakespeare lesen und ein Auto schmieren kann." (1)
"Künstliche Intelligenz wird das menschliche Niveau bis etwa 2029 erreichen. Folgen Sie dem weiter bis 2045, werden wir die Intelligenz, die menschliche biologische Maschinenintelligenz unserer Zivilisation, milliardenfach vervielfacht haben." (2) 
„Computer werden Menschen innerhalb der nächsten hundert Jahre mit künstlicher Intelligenz überholen. Wenn es soweit ist, müssen wir sichergehen, dass ihre Ziele mit unseren übereinstimmen.“ (3)
„Heute ist eine Künstliche Intelligenz in diesem Sinne noch nicht einmal in Ansätzen zu erkennen.“ (4)
"Es gibt viele Dinge, die wir gerne tun würden, aber nicht tun können, weil sie illegal sind. (...) Wir sollten nur ein paar Orte haben, an denen wir in Sicherheit sind. So können wir neue Dinge ausprobieren und herausfinden, welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft haben." (5) 
„Maschinen haben keine eigenen Sehnsüchte, sie sind sich ihrer Ziele nicht bewusst. Sie tun, was wir ihnen sagen und manchmal machen sie Fehler, weil wir nicht lange genug nachgedacht und ihnen das Falsche gesagt haben. Die Maschinen, die wir heute bauen und in Zukunft bauen werden, entscheiden nicht plötzlich, den Planeten zu übernehmen.“ (6)
„Aber nur, bis Roboter die Straße herunter marschieren und Menschen jagen.“ (7)
„Sorgen sollten wir uns nicht um superschlaue, sondern eher um dumme KI.“ (8)
„(Die Filteralgorithmen von)* Youtube kenn(en)* nicht den Unterschied zwischen der nackten Wahrheit und einem nackten Hintern.“ (9)
„Mit künstlicher Intelligenz wecken wir die Dämonen.“ (10)
„Ich beneide Sie um diese ersten Schritte in eine neue Zeit.“ (11) 

 * In Klammern gesetzte Worte sind Einschübe des Verfassers.

(1) Marvin Minsky (1927 - 2016). Der ehemalige Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) war jahrelang der "Papst" der Künstlichen Intelligenz und hatte den Ruf als ein enfant terrible der Zunft. In seinen späteren Jahren wandelte er sich zu einem der schärfsten Kritiker Künstlicher Intelligenz.

(2) Ray Kurzweil. Prophet des Transhumanismus. Bill Gates spricht von ihm als „führendem Experten im Bereich der Künstlichen Intelligenz“
Mehr über Ray Kurzweil in meinem Blogeintrag: Noch 30 Jahre bis 2045 | Singularity-Was bleibt vom Menschen?

(3) Stephen Hawking (1942 - 2018). Stephen Hawking lieferte bedeutende Arbeiten zur Kosmologie, zur allgemeinen Relativitätstheorie und zu Schwarzen Löchern.

(4) Florian Gallwitz: Professor für Medieninformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine Schwerpunkte sind die Bildverarbeitung, Spracherkennung und Mustererkennung insbesondere im Deep-Learning-Verfahren. Einen empfehlenswerten Beitrag findet ihr im Blogmagazin „Wired“ mit dem Titel: Auch 2029 wird es keine Künstliche Intelligenz geben, die diesen Namen verdient
Die deutsche „Wired“-Ausgabe wurde Ende 2018 leider eingestellt.

(5) Larry Page. Mitbegründer von Google. US-amerikanischer Informatiker und Unternehmer und seit 2015 CEO von Alphabet Inc.

(6) Toby Walsh: Professor für Künstliche Intelligenz an der University of New South Wales. Walsh schreibt Sachbücher für ein breites Publikum und hält TED-Talks. Sein neues Buch „It‘s Alive – Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändern wird“ ist gerade auf Deutsch erschienen. ( Edition Körber, 352 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-89684-266-4.)
Empfehlenswerten Beitrag in englischer Sprache: Why we should ban killer robots

(7) Elon Musk:  Unternehmer und Investor. Musk ist durch seine Beteiligung an der Gründung des Online-Bezahlsystems PayPal sowie mit dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX und dem Elektroautohersteller Tesla bekannt geworden.
Einen empfehlenswerten Beitrag von Tesla-Chef Musk findet ihr unter dem link: Tesla Chef Musk warnt vor tödlichen Robotern

(8) dito Toby Walsh

(9) Jörg Sprave: Videoblogger. Mit seinen Videos über selbst gebaute Kanonen und andere Geschosse ist Jörg Sprave ein Hit auf Youtube. Für seine Kondomschleuder gewann er 2014 den Videopreis der Bill & Melinda Gates Foundation. Mehr als zehn Millionen Mal werden seine Videos geklickt, seinem Youtube-Kanal The Slingshot Channel folgen über zwei Millionen Menschen. 
Zitathintergrund: Die Algorithmen, die die Youtube Videos filtern, sind nicht fehlerfrei. So landete ein Video von Sprave mit dem Titel „Katana: The Naked Truth“ („Katana, die nackte Wahrheit“, wobei Katana der Name eines Samurai-Schwertes ist) auf dem Index. Eigentlich ist das nur ein harmloses Interview mit einem Schwertschmied. Weil aber das Wort „naked“ in der Überschrift stand, wurde es von Youtube herausgefiltert.  
Quelle: Berliner Morgenpost vom 18.12.2018, Autorin: Anja Stehle

(10) dito Elon Musk

(11) Jean-Luc Picard: Fiktive Figur als Captain des Raumschiffs USS Enterprise in der Filmreihe Star Trek. Diese von mir zitierte hoffnungsfrohe Vision unserer zukünftigen Entwicklung zeichnet er während einer Zeitreise ins 21. Jahrhundert in „First Contact“ (1996, Teil 8 des Star-Trek-Universums)

Zum Abschluss möchte ich euch noch zwei Videos der Roboterentwickler Boston Dynamics empfehlen, die neue Fähigkeiten seiner mechanischen Helfer demonstrieren. Sie zeigen den humanoiden Atlas und den Vierbeiner Spot in Aktion. Beim Anblick des Roboters Atlas können einem durchaus Assoziationen zu Szenen aus I Robot oder der Terminator-Reihe kommen. Denn der wuchtige Zweibeiner Atlas bewegt sich erschreckend elegant und agil. 
Der humanoide Atlas kann gleich einem Sportler über Hindernisse hinweg hüpfen. Der vierbeinige Spot hingegen kann sich auf Baustellen orientieren – und könnte bald als Robo-Wachhund agieren. Hier patrouilliert der Roboter als Wachhund in Rohbauten auf verschiedenen Baustellen, weicht Hindernissen wie Kisten und Werkzeugen aus, beachtet Absperrbänder und läuft ein Treppenhaus hinauf – und im Rückwärtsgang wieder hinunter.  

YouTube Videos sind in meinem Blog nicht eingebunden. Stattdessen habe ich ein Vorschaubild eingefügt, hinter dem ein Link zum YouTube-Video liegt. Wenn ihr zur Aktivierung auf das Vorschaubild klickt, verlasst ihr meine Website und werdet zum Portal YouTube (www.youtube.com)weitergeleitet. Trotz dieser datenschutzfreundlichen Einbindung werden von YouTube Daten übermittelt. Eine eindeutige Beurteilung des genauen Umfangs der Datenverarbeitung durch Google lässt sich nicht vornehmen. Bitte beachtet dafür die Datenschutzerklärung von YouTube  bzw. Google. Mit dem Klick auf das Vorschaubild erklärt Ihr Euer Einverständnis zum Anzeigen externer Inhalte.





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Sämtliche Fotos: Fred Tille