Privater Kunstblog zum Thema:

Künstlerisches Handeln in Zeiten globaler Umbrüche


Die Welt von heute scheint aus den Fugen geraten. Sie ist durch große Unsicherheit, Unübersichtlichkeit und Fragilität, Krieg und Flucht, Terror und Gewalt geprägt. Damit ist die Entwicklung unserer zukünftigen Lebenswelten wieder zu einem bedeutsamen Schwerpunkt in der Kunst geworden. Auch die Erkenntnisse und Prognosen der Techniksoziologie und der Zukunftsphilosophie werden zunehmend als Gegenstand der Kunst entdeckt. Die bildende Kunst, das Theater, die Literatur und der Film reagieren darauf auf unterschiedliche Art und Weise. Mich beschäftigt die Frage, wie kann sich der Künstler, der ja Teil dieser Entwicklungen ist, den sich daraus ergebenden existentiellen Herausforderungen sinnvoll nähern? In diesem Zusammenhang möchte ich meine Bilder aus der Zeit um 5 nach 12 in lockerer Folge vorstellen. Texte zu den globalen Auswirkungen des westlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ergänzen diese bildlichen Darstellungen. Über Reaktionen von Künstlern, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, würde ich mich freuen.


SpotLights Berlin

Freitag, 14. August 2026

Die Kunst geht baden!

ZeitBild | Nr. 13 


Vom 7. August bis 1. Oktober 2026 eröffnet die Volksbühne Berlin ein temporäres Schwimmbad vor dem Theater. Die Konstruktion ist 25 Meter lang , fünf Meter breit und 1,30 Meter tief. Rundherum verläuft ein Steg aus Holzpaneelen. Der Gesamtaufbau sieht etwas skurril, aber auch interessant aus. Das temporäre „Volksbad“ soll zugleich kulturelles Experiment und Kommentar zur angespannten Infrastruktur der Stadt sein. 



Nicht nur Badespektakel

Matthias Lilienthal, künftiger Intendant der legendären Berliner Volksbühne, versteht das direkt vor dem Theater aufgebaute „Volksbad“ nicht ausschließlich als Freizeitangebot, sondern als politisches Statement. Der Mangel an Schwimmbadkapazitäten, aber auch Defizite bei Verkehr, Bildungseinrichtungen und anderen öffentlichen Angeboten seien in der Stadt vielerorts sichtbar. Das „Volksbad“ greift diese Debatte auf und verbindet sie mit einem offenen Kulturverständnis.

Mit diesem ungewöhnlichen Projekt knüpft Lilienthal zugleich an die traditionsreiche Geschichte der Volksbühne an. Seit ihrer Gründung steht das Haus für den Anspruch, Kultur einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das Leitmotiv „Die Kunst dem Volke“, das einst die historische Fassade schmückte, erhält mit dem frei zugänglichen Badeangebot eine ungewöhnliche zeitgenössische Interpretation.


Der Pool als Politikum


Wie schnell der Pool zum Politikum wird, zeigt die Absage einer gemeinsamen Aktion der Volksbühne mit dem Verein Each One Teach One (EOTO). Der Verein setzt sich für die Interessen Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland und Europa ein. Am 14.08.2026 sollte in einem Timeslot von 12.00 bis 18.00 Uhr das Freibad vor der Volksbühne für die Schwarze Community reserviert werden. 

Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, einen schönen Sommerferien-Nachmittag für die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen und ihre Angehörigen zu organisieren. Damit sollte für Menschen, die strukturell in der Gesellschaft benachteiligt werden, ein sicherer Raum geschaffen werden. Aufgrund rassistischer Mails und Gewaltdrohungen sagte der Verein das Event aus Sicherheitsgründen ab. 


Kosten-Nutzen: Ist das nun viel oder wenig? 


Das gesamte Projekt "Volksbad" kostet 300.000 Euro. Das ruft natürlich auch Nörgler und Kritiker auf den Plan. Sie stellen die Frage, wie sich die Volksbühne, die in dieser Theatersaison mit 5,5 Prozent weniger Geld auskommen muss, so einen Pool leisten kann. Setzt man die 300.000 Euro in Relation zu den Kosten eines laufenden Theaterbetriebes, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Die Volksbühne öffnet in diesem Jahr erst einen Monat nach dem eigentlichen Ende der Sommerpause wegen dringend notwendiger Reparaturarbeiten an der Bühnentechnik.

Dadurch wurde Budget frei, das normalerweise zum Theaterspielen verwendet wird. "Es ist nicht der blaue Pool, der so viel gekostet hat", sagt "Volksbad"-Programmkoordinatorin Friederike Kötter: „Der sei gemietet und der Rest der Materialien werde später für andere Bühnenbilder wiederverwendet. Es seien hauptsächlich die Personalkosten, die zu Buche schlagen würden. Und die hätte man eh, ob für das Schwimmbad oder für eine andere Produktion.“ 


Aber was soll das Ganze? 


Das temporäre Schwimmbecken wirkt als kulturelle Intervention in den Sozialraum Berlins hinein und ist damit in gewisser Weise auch eine Inszenierung. Dadurch dass die Grenze zwischen Theater und Stadt aufgehoben wird, ergibt sich die oft zitierte aber selten erreichte Verbindung von Kunst und Leben wie von selbst. 

Das Volksbad vor der Volksbühne ist ein mutiges Projekt der Theatermacher. Die Bevölkerung dankt es Ihnen mit großem Andrang auf die Badezeitfenster. Die kommenden Tage sind ausverkauft. Das freut auch den künftigen Intendanten: "Ich wollte immer schon Schwimmbadleiter werden und nicht Theaterdirektor, und den Wunsch habe ich mir jetzt erfüllt", sagt Matthias Lilienthal.


Gesamtansicht der Volksbühne. Im Vordergrund ist das Räuberrad zu sehen. Es ist eine Metallskulptur und zugleich das Logo der Volksbühne Berlin.


 

Markante Säulenfassade und Kulturtempel 

 

Mit ihrer markanten Säulenfassade prägt die Volksbühne seit mehr als einem Jahrhundert das Stadtbild am Rosa-Luxemburg-Platz. Vor 130 Jahren gründete sich der Verein Freie Volksbühne für Arbeiter. Ein Mitglied zahlte 50 Pfennig im Vierteljahr, konnte dafür an drei Sonntagen nachmittags ins Theater gehen.

Durch Spenden und Arbeitergroschen konnte sich der Verein den Wunsch nach einem eigenen Theater erfüllen. Nach einem Entwurf von Oskar Kaufmann wurde das Theater 1913 bis 1914 mit wuchtigen Säulen als monolithisch anmutender Kulturtempel der Arbeiter am ehemaligen Bülowplatz errichtet.

Die Eröffnung erfolgte am 30. Dezember 1914 wenige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges. „Eine Kulturtat inmitten der Kriegswirren“, schrieb die Presse damals.


Weiterführende Links:

Originalwebsite der Volksbühne Berlin ( also EN)

Zur Geschichte der Volksbühne

Mehr zum VOLKSBAD am Rosa-Luxemburg-Platz auf der Website des Theaters (also EN)

Originalwebsite von Each One Teach One (EOTO) (In many languages)

Mehr zum Räuberrad