Privater Kunstblog zum Thema:

Künstlerisches Handeln in Zeiten globaler Umbrüche


Die Welt von heute scheint aus den Fugen geraten. Sie ist durch große Unsicherheit, Unübersichtlichkeit und Fragilität, Krieg und Flucht, Terror und Gewalt geprägt. Damit ist die Entwicklung unserer zukünftigen Lebenswelten wieder zu einem bedeutsamen Schwerpunkt in der Kunst geworden. Auch die Erkenntnisse und Prognosen der Techniksoziologie und der Zukunftsphilosophie werden zunehmend als Gegenstand der Kunst entdeckt. Die bildende Kunst, das Theater, die Literatur und der Film reagieren darauf auf unterschiedliche Art und Weise. Mich beschäftigt die Frage, wie kann sich der Künstler, der ja Teil dieser Entwicklungen ist, den sich daraus ergebenden existentiellen Herausforderungen sinnvoll nähern? In diesem Zusammenhang möchte ich meine Bilder aus der Zeit um 5 nach 12 in lockerer Folge vorstellen. Texte zu den globalen Auswirkungen des westlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ergänzen diese bildlichen Darstellungen. Über Reaktionen von Künstlern, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, würde ich mich freuen.


SpotLights Berlin

Sonntag, 5. Januar 2020

2020 - Dekade des Umbruchs? | Zukunft im kommenden Jahrzehnt


Den Beginn des Jahres 2020 nehmen viele Medien, Autoren und Wissenschaftler zum Anlass, um mehr oder weniger fundierte Prognosen für die Zeit bis 2030 zu stellen. Gemeinsam ist allen Einschätzungen, dass die Veränderungen im kommenden Jahrzehnt die Welt wohl stärker verändern werden als je zuvor. Einige Trends lassen sich durch Prolongierung der Gegenwart relativ sicher vorhersehen, andere nur erahnen.

Bis bald, in der Zukunft! FUTURIUM Berlin

Um einen Blick in die Zukunft zu werfen, braucht es keine Kristallkugel. Hierfür gibt es in Berlin mit dem FUTURIUM neuerdings eine vielversprechende Adresse. Das Futurium ist ein Haus der Zukünfte. Hier dreht sich alles um die Frage: Wie wollen wir leben? Das interaktive Museum stellt sich allen Fragen der Zukunft: Wie wollen wir leben? Feiere ich irgendwann meinen 130. Geburtstag? Essen wir bald nur noch Insekten?  

Das Futurium soll ein Forum für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in der Hauptstadt sein. Das Futurium befindet sich zwischen Reichstag und Hauptbahnhof, direkt an der Spree. Die Berliner Architekten Richter und Musikowski setzten bei Ihrem Entwurf auf Offenheit und klare, skulpturale Formen. Das gesamte Gebäude entspricht dem Standard eines Niedrigst-Energiehauses. Das Futurium bietet auf drei Etagen rund 3.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Ausstellung und Labor

Das Futurium ist in Ausstellung und Labor unterteilt. Beides ist interaktiv, im Labor werden auch Workshops angeboten. Zu Beginn schnallt man sich ein Armband um, damit kann man sich in der Ausstellung an verschiedenen Stationen einscannen. So kann man sich zwischen verschiedenen Zukunftsmodellen entscheiden. 




Armband (kleiner Bildausschnitt) mit ausgedruckter Karte mit einem Code 


Am Ende lässt man sein Armband in der Zukunftsmaschine auswerten – die druckt dann eine Karte mit einem Code aus. Den kann der Besucher auf der Webseite eingeben. Je nach gescannten Zukunftsmodellen erfährt man dann, was für eine Art Zukunftstyp man ist.

Haus der Zukünfte

Das Futurium ist ein Haus der Zukünfte. Hier dreht sich alles um die Frage: Wie wollen wir leben? In der Ausstellung können Besucher viele mögliche Zukünfte entdecken, im Forum gemeinsam diskutieren und im Futurium Lab eigene Ideen ausprobieren. Hier einige Beispiele aus der Ausstellung.


Fliegende Kraftwerke: Windturbinen decken schon heute zwanzig Prozent der deutschen Stromversorgung. Sie ernten Wind in über 100 Metern Höhe. Allerdings ist bei 150 Metern Schluss. Doch je höher man kommt, desto stärker und regelmäßiger weht der Wind. Forscher entwickeln daher Anlagen, die fliegen und 300 bis 500 Meter in der Luft aufsteigen können.

Neo-Natur: Von Menschen gemachte Umgebung-die Neo Natur- verändert sich durch unsere Eingriffe ständig. Wenn wir uns in der Gestaltung der Umwelt stärker von der Natur beeinflussen lassen, können faszinierende Gebilde entstehen. Die große Holzskulptur zeigt, wie das aussehen kann, wenn die einzelnen Elemente durch einen Algorithmus berechnet werden. Und zwar so, das aus elf verschiedenen Bauteilen ein komplexes, einzigartiges Objekt entstanden ist. Ein enges Zusammenspiel von Natur und Technik.

Das Futurium feierte vom 5. bis 8. September 2019 seine Eröffnung mit einem großen „Fest der Zukünfte“. Ab sofort kann das Haus der Zukünfte mit Ausstellung, Forum und Futurium Lab besucht werden. Der Eintritt ist frei. Zumindest bis Ende 2022


Auf dem Dach des Hauses bietet der Skywalk nicht nur einen Blick auf die zahlreichen Kollektorfelder für Photovoltaik, sondern bietet ebenfalls eine tolle Aussicht auf den Spreebogen und das Kanzleramt.

Sämtliche Fotos: Fred Tille

Weiterführende Informationen zum Futurium:



Montag, 19. August 2019

Bäume im Museum

ZeitBild | Nr. 3


Bäume im Museum
ZeitBild | Nr. 3
Nationalgalerie wird vor Sanierung zum Wald.
Bevor die Neue Nationalgalerie Berlin für Sanierungsarbeiten geschlossen wurde, hat Stararchitekt David Chipperfield 144 Baumstämme in die große Glashalle des berühmten Mies-van-der-Rohe-Baus gesetzt.
Sticks and Stones nennt Chipperfield seine Installation.
Foto: Fred Tille

Wenn Wald zerstört wird | Zwei Beispiele:
Amazonas-Regenwald | Brasilien


Wenn Wald zerstört oder auch nur in seiner Zusammensetzung verändert wird, dann ist das ein ziemlich verheerender Eingriff in ein natürliches System mit vielen Auswirkungen, auch auf das Klima.

So ist der Amazonas-Regenwald mit einer Fläche von 5,5 Millionen Quadratkilometern ein gewaltiger Kohlenstoffspeicher. Ihn zu erhalten, ist unerlässlich, wenn die Klimakrise nicht weiter verschärft werden soll.

Mehr als zwei Drittel des Amazonas-Regenwaldes liegen in Brasilien und seit Bolsonaro in Brasilien an der Macht ist, wird dort immer mehr Wald abgeholzt.
Der größte Regenwald der Erde ist in akuter Gefahr.


Hambacher Forst | Deutschland


Ein anderes Beispiel aus Deutschland. Für den größten europäischen Braunkohletagebau Hambach zwischen Aachen und Köln wurde der früher einmal 4100 Hektar große Wald mit jahrhundertealten Buchen und Eichen im Laufe der Jahre bis auf 200 Hektar abgeholzt. Der Energiekonzern RWE wollte Anfang Oktober 2018 eigentlich noch gut hundert von den verbliebenen 200 Hektar des Waldes für seinen Braunkohletagebau abholzen. 

Gegen die Rodung hatten Klimaaktivisten über Jahre mit ihrer Wald-Besetzung gegen die Braunkohle und für den Klimaschutz demonstriert.
Durch einen Eilbeschluss des Oberverwaltungsgerichts Münster wurde eine Rodung des Hambacher Waldes zunächst für mindestens ein Jahr gestoppt.
Der Hambacher Forst gilt mittlerweile als Symbol für den Widerstand gegen die Braunkohle-Verstromung und für den Klimaschutz.

Die Beispiele zeigen. Die Wälder der Erde sind in Gefahr und wenn nicht sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden, können wir in nicht allzu ferner Zukunft Bäume nur noch im Museum bewundern.


Prinzip Hoffnung 1: Der WeltWald Harz | Deutschland


Der WeltWald Harz liegt am Nordwestrand des Harzes bei Bad Grund. Er besteht seit 1975. Auf dem Gebiet um die Stadt Bad Grund wurden auf einer Fläche von etwa 100 ha 285 Baum- und 238 Straucharten aus verschiedenen Wäldern der gemäßigten Klimazone angepflanzt und bewirtschaftet. Insgesamt befinden sich hier 113.000 Gehölze.  Der WeltWald Harz ist ein Forschungs- und Schutzprojekt, das Anlass zur Hoffnung gibt.
Foto: Fred Tille


Prinzip Hoffnung 2:  For Forest


For Forest ist ein Kunstprojekt des Installationskünstlers Klaus Littmann, das am 8. September 2019 in Klagenfurt für die Öffentlichkeit geöffnet wurde. 299 rund 14 Meter hohe Bäume wurden im Wörthersee Stadion im Sommer auf das Spielfeld gestellt, die man bis zum 27. Oktober bei freiem Eintritt ansehen kann. (Quelle Wikipedia)  

Übrigens: Die Bäume in der Neue Nationalgalerie Berlin sind jedoch nicht extra für diese Kunstaktion gefällt worden. Laut Chipperfield stammen sie aus einem Privatwald und konnten wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse nicht wie üblich nach 70 bis 80 Jahren geschlagen werden. Jetzt im Alter von 100 Jahren wurden sie forstwirtschaftlich verwertet und quasi als Zwischennutzung für die Kunstaktion ausgeliehen. 



Samstag, 12. Januar 2019

Shakespeare als Automechaniker | Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz


Künstliche Intelligenz hat zur Zeit Hochkonjunktur. Google machte im Herbst 2018 mit einer Sonderbeilage im Nachrichtenmagazin Der Spiegel Werbung in eigener Sache. Unter dem Titel Aufbruch|Künstliche Intelligenz| Was sie bedeutet und wie sie unser Leben verändert| versucht Google Chancen und Risiken dieser Technologie anzusprechen. Hollywood hatte sich dieses Themas schon viele Jahre zuvor dankbar angenommen und in Filmen wie Minority Report, I Robot, AI und Robocop die Herrschaft der Maschinen über den Menschen abgehandelt.

Albert Serra hat erstmalig das Thema Singularity als Teilaspekt des Komplexes Künstliche Intelligenz künstlerisch bearbeitet. SINGULARITY | Ein Kunstprojekt von Albert Serra kuratiert von Chus Martinez und produziert vom Institut Ramon Llull | Catalonia in Venice at LA BIENNALE DI VENEZIA | 56th International Art Exhibition | Eventi Collaterali  

Dabei ist die Geschichte der Künstlichen Intelligenz eine Geschichte von grotesk überzogenen Erwartungen. Das Spektrum reichte von einer Maschine, die bereits 1978 unter anderem die Fähigkeit haben sollte, Shakespeare zu lesen und die beweglichen Teile eines Autos zu schmieren bis zu den Transhumanisten von heute, die durch Mind upload das ewige Leben versprechen. In diesem Zusammenhang möchte auch ich Werbung in eigener Sache machen und die Lektüre meines Blogpost „Noch 30 Jahre bis 2045 | Singularity-Was bleibt vom Menschen?“ empfehlen. In meinem Beitrag könnt ihr u.a erfahren, dass die Firma Alcor in Scottsdale, Arizona (USA) bereits 2004 für 120.000 Dollar die kryonische Aufbewahrung des ganzen Körpers offerierte. 


In einer Videoinstallation über mehrere Bildschirme zeigt Serra die Bedrohung des Menschen durch Maschinen. Hier ist es eine Drohne.


Die Möglichkeiten und Gefahren von jetzt schon verfügbaren intelligenten Maschinen hat mich zur folgenden Zitatcollage inspiriert. Hier kommen bekannte und weniger bekannte Akteure auf dem weiten Feld der Forschung und Entwicklung zur KI zu Wort.

Shakespeare als Automechaniker


"In drei bis acht Jahren (ab 1970 gerechnet)* werden wir eine Maschine mit der allgemeinen Intelligenz eines durchschnittlichen Menschen haben, eine Maschine, die Shakespeare lesen und ein Auto schmieren kann." (1)
"Künstliche Intelligenz wird das menschliche Niveau bis etwa 2029 erreichen. Folgen Sie dem weiter bis 2045, werden wir die Intelligenz, die menschliche biologische Maschinenintelligenz unserer Zivilisation, milliardenfach vervielfacht haben." (2) 
„Computer werden Menschen innerhalb der nächsten hundert Jahre mit künstlicher Intelligenz überholen. Wenn es soweit ist, müssen wir sichergehen, dass ihre Ziele mit unseren übereinstimmen.“ (3)
„Heute ist eine Künstliche Intelligenz in diesem Sinne noch nicht einmal in Ansätzen zu erkennen.“ (4)
"Es gibt viele Dinge, die wir gerne tun würden, aber nicht tun können, weil sie illegal sind. (...) Wir sollten nur ein paar Orte haben, an denen wir in Sicherheit sind. So können wir neue Dinge ausprobieren und herausfinden, welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft haben." (5) 
„Maschinen haben keine eigenen Sehnsüchte, sie sind sich ihrer Ziele nicht bewusst. Sie tun, was wir ihnen sagen und manchmal machen sie Fehler, weil wir nicht lange genug nachgedacht und ihnen das Falsche gesagt haben. Die Maschinen, die wir heute bauen und in Zukunft bauen werden, entscheiden nicht plötzlich, den Planeten zu übernehmen.“ (6)
„Aber nur, bis Roboter die Straße herunter marschieren und Menschen jagen.“ (7)
„Sorgen sollten wir uns nicht um superschlaue, sondern eher um dumme KI.“ (8)
„(Die Filteralgorithmen von)* Youtube kenn(en)* nicht den Unterschied zwischen der nackten Wahrheit und einem nackten Hintern.“ (9)
„Mit künstlicher Intelligenz wecken wir die Dämonen.“ (10)
„Ich beneide Sie um diese ersten Schritte in eine neue Zeit.“ (11) 

 * In Klammern gesetzte Worte sind Einschübe des Verfassers.

(1) Marvin Minsky (1927 - 2016). Der ehemalige Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) war jahrelang der "Papst" der Künstlichen Intelligenz und hatte den Ruf als ein enfant terrible der Zunft. In seinen späteren Jahren wandelte er sich zu einem der schärfsten Kritiker Künstlicher Intelligenz.

(2) Ray Kurzweil. Prophet des Transhumanismus. Bill Gates spricht von ihm als „führendem Experten im Bereich der Künstlichen Intelligenz“
Mehr über Ray Kurzweil in meinem Blogeintrag: Noch 30 Jahre bis 2045 | Singularity-Was bleibt vom Menschen?

(3) Stephen Hawking (1942 - 2018). Stephen Hawking lieferte bedeutende Arbeiten zur Kosmologie, zur allgemeinen Relativitätstheorie und zu Schwarzen Löchern.

(4) Florian Gallwitz: Professor für Medieninformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine Schwerpunkte sind die Bildverarbeitung, Spracherkennung und Mustererkennung insbesondere im Deep-Learning-Verfahren. Einen empfehlenswerten Beitrag findet ihr im Blogmagazin „Wired“ mit dem Titel: Auch 2029 wird es keine Künstliche Intelligenz geben, die diesen Namen verdient
Die deutsche „Wired“-Ausgabe wurde Ende 2018 leider eingestellt.

(5) Larry Page. Mitbegründer von Google. US-amerikanischer Informatiker und Unternehmer und seit 2015 CEO von Alphabet Inc.

(6) Toby Walsh: Professor für Künstliche Intelligenz an der University of New South Wales. Walsh schreibt Sachbücher für ein breites Publikum und hält TED-Talks. Sein neues Buch „It‘s Alive – Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändern wird“ ist gerade auf Deutsch erschienen. ( Edition Körber, 352 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-89684-266-4.)
Empfehlenswerten Beitrag in englischer Sprache: Why we should ban killer robots

(7) Elon Musk:  Unternehmer und Investor. Musk ist durch seine Beteiligung an der Gründung des Online-Bezahlsystems PayPal sowie mit dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX und dem Elektroautohersteller Tesla bekannt geworden.
Einen empfehlenswerten Beitrag von Tesla-Chef Musk findet ihr unter dem link: Tesla Chef Musk warnt vor tödlichen Robotern

(8) dito Toby Walsh

(9) Jörg Sprave: Videoblogger. Mit seinen Videos über selbst gebaute Kanonen und andere Geschosse ist Jörg Sprave ein Hit auf Youtube. Für seine Kondomschleuder gewann er 2014 den Videopreis der Bill & Melinda Gates Foundation. Mehr als zehn Millionen Mal werden seine Videos geklickt, seinem Youtube-Kanal The Slingshot Channel folgen über zwei Millionen Menschen. 
Zitathintergrund: Die Algorithmen, die die Youtube Videos filtern, sind nicht fehlerfrei. So landete ein Video von Sprave mit dem Titel „Katana: The Naked Truth“ („Katana, die nackte Wahrheit“, wobei Katana der Name eines Samurai-Schwertes ist) auf dem Index. Eigentlich ist das nur ein harmloses Interview mit einem Schwertschmied. Weil aber das Wort „naked“ in der Überschrift stand, wurde es von Youtube herausgefiltert.  
Quelle: Berliner Morgenpost vom 18.12.2018, Autorin: Anja Stehle

(10) dito Elon Musk

(11) Jean-Luc Picard: Fiktive Figur als Captain des Raumschiffs USS Enterprise in der Filmreihe Star Trek. Diese von mir zitierte hoffnungsfrohe Vision unserer zukünftigen Entwicklung zeichnet er während einer Zeitreise ins 21. Jahrhundert in „First Contact“ (1996, Teil 8 des Star-Trek-Universums)

Zum Abschluss möchte ich euch noch zwei Videos der Roboterentwickler Boston Dynamics empfehlen, die neue Fähigkeiten seiner mechanischen Helfer demonstrieren. Sie zeigen den humanoiden Atlas und den Vierbeiner Spot in Aktion. Beim Anblick des Roboters Atlas können einem durchaus Assoziationen zu Szenen aus I Robot oder der Terminator-Reihe kommen. Denn der wuchtige Zweibeiner Atlas bewegt sich erschreckend elegant und agil. 
Der humanoide Atlas kann gleich einem Sportler über Hindernisse hinweg hüpfen. Der vierbeinige Spot hingegen kann sich auf Baustellen orientieren – und könnte bald als Robo-Wachhund agieren. Hier patrouilliert der Roboter als Wachhund in Rohbauten auf verschiedenen Baustellen, weicht Hindernissen wie Kisten und Werkzeugen aus, beachtet Absperrbänder und läuft ein Treppenhaus hinauf – und im Rückwärtsgang wieder hinunter.  

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Sämtliche Fotos: Fred Tille

Freitag, 7. September 2018

Trilemma | Norbert Bisky in Berlin

Bei einem Trilemma hast du nicht nur die Wahl zwischen Pest und Cholera sondern zwischen Pest und Cholera und mindestens noch Typhus dazu. Das ist die etwas saloppe Umschreibung des Ausdrucks Trilemma, der für eine Konfliktsituation steht, bei der zwischen drei jeweils ungünstigen oder inakzeptablen Möglichkeiten entschieden werden muss.


Die König Galerie präsentierte in Berlin mit dem Titel Trilemma die erste Einzelausstellung des Malers Norbert Bisky. „Das Motiv der dreifachen Ausweglosigkeit dient Norbert Bisky nun als konzeptueller Ausgangspunkt für seine meist großformatigen Bilder,die vor blauem Hintergrund in kräftigen, intensiven Farben und sanften Pastelltönen Chaos, Gewalt und Zerstörung zeigen.“ (1)

Auch die Ausstellungsarchitektur greift die dem Wort Trilemma innewohnende Zahl drei auf, und besteht aus drei groß dimensionierten Wandteilen, die wiederum mit dem ehemaligen Kirchenraum als Ort der Dreifaltigkeit von St. Agnes in räumlicher Beziehung stehen. 

Über die architektonischen Besonderheiten von St. Agnes könnt ihr ausführliche Infos in meinem Post The Smoking Kid | Katharina Grosse in Berlin nachlesen.


Im Vordergrund das titelgebende Bild. Die Arbeit zeigt eine männliche, dem Betrachter abgewandtePerson vor einem bildfüllenden, dreifarbigen Trilemma-Schema, das wiederum von einer landkartenähnlichen Form überlagert wird. Hier ist auch die Ausstellungsarchitektur gut erkennbar. Trilemma Processor, 2017, oil on canvas, 
130 x 200 cm.


In diesem Post möchte ich weniger auf die Besprechung der Ausstellung eingehen. Vielmehr möchte ich mich auf zwei Aspekte des künstlerischen Schaffens von Bisky konzentrieren, die für die Rolle der Malerei im Allgemeinen von großer Bedeutung sind.


Blick in die Ausstellung-Vorne Wand mit paper works, im Hintergrund links, Deposition 2017, oil on canvas, 200 x 150 cm, daneben, NoH8, 2017, oil on canvas, 40 x30 cm


Aber bitte mit Konzept


Der Malerei Biskys, die auf figurativen, sich auf historische oder aktuelle Ereignisse beziehende Bilder basiert, begegnete die kunstwissenschaftliche Zunft von Anfang an mit großer Skepsis. Bisky und seinen malenden Generationsgenossen wurden die hohen Weihen der elitären Kunstkritik verweigert. „Aber bitte mit Konzept“ betitelte Sebastian Preuss einen Zeitungsartikel (2).Darin führt er aus, das Künstler wie Bisky und seine Künstlerkollegen, die einen ähnlichen Ansatz verfolgten nur dann Legitimation erfahren, wenn sie kenntlich machen, dass ihre Malerei zugleich die Gattung selber reflektiert. Insbesondere figürliche Malerei wird nur dann anerkannt „wenn sie durch Theorie gebrochen, also gleichsam durch eine Metaebene nobilitiert wird.“ Einfach nur Maler sein zu wollen und von einer Existenzberechtigung der Malerei ohne wenn und aber auszugehen, geht in diesen kunsttheoretischen Korsettstangen überhaupt nicht. Freie Malerei sieht für mich anders aus.


Works on paper

Diese Vorgaben der selbsternannten Hohepriester der Kunstkritik belustigen Bisky. Er hält sich nicht an dieses Diktat. Er konzeptualisiert seine Malerei in dieser rigiden Form nicht. Das erklärt auch die Diskrepanz zwischen seinem künstlerischen Erfolg und der vergleichsweise geringen kunstwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit seiner Malerei. Damit steht er nicht allein. Ein ähnliches Schicksal erlitt beispielsweise auch sein Malerkollege Daniel Richter.

Richters Malerei wird vorgeworfen zu allegorisch, narrativ und zu direkt politisch zu sein. Dabei überschritt die Kritik manchmal sogar die Grenze zur persönlichen Beleidigung. Er wurde als banaler, mitläuferischer, platitüdenhafter Typ bezeichnet.

Trotz dieser Anfeindungen gehören Norbert Bisky und Daniel Richter zu den erfolgreichsten Malern ihrer Generation. Bei Ausstellungsbesuchern und Sammlern sind ihre Werke sehr beliebt. Kein Wunder. Ihre Malerei ist kraftvoll und verarbeitet relevante gesellschaftspolitische Themen. In ihren Ausstellungen gibt es für den Betrachter wirklich etwas zu sehen. Langeweile und Wiederholungsekel kommen nicht auf.

Zum Abschluss ein Zitat von Daniel Richter, das den Nagel auf den Kopf trifft: 

„Der Krampf besteht darin, dass man der Kunst um ihrer selbst willen folgen soll. Das ist schwierig. Am Ende gibt es aber einfach gute Bilder und nicht so gute Bilder. Das ist es dann auch schon (3).

 Zwischen heiteren Farben und harten Themen


Unter dem Titel Trilemma lässt Bisky im Hauptraum der Galerie König in St. Agnes Galerie in seinen neuen Malereien Farben explodieren.

Auf großformatigen Leinwänden sieht man oftmals immer noch strahlende Jünglinge, die zu seinem Markenzeichen geworden sind. Aber sie tummeln sich nicht mehr im Paradies, sie werfen Steine. Sie sind vermummt wie die Demonstranten beim G20-Gipfeln. Sie fallen aus dem Himmel zwischen Palmenzweige, lichterloh brennende Luxushochhäuser und taumelnden Hubschraubern in Rio de Janeiro. Diese bunte, farbenfrohe Welt brennt. Bei Bisky ist die Apokalypse bunt.

Menschen fallen aus dem Himmel. Vor blauem Himmel ist bei Bisky die Apokalypse bunt. Big Trilemma, 2017, oil on canvas, 3 parts, 300 x 750 cm

"Ich finde den Widerspruch in der Kunst wichtig. Denn die Welt ist komplex, es ist unmöglich das in einem Bild einzufangen. Wenn man es aber versucht, dann muss es auch im Bild Widersprüche geben, zwischen heiteren Farben und harten Themen."(4)

Die Vorliebe für bunte, grelle Farben, war vom Ursprung her mal eine Reaktion auf die Verhältnisse in der DDR, in der er groß geworden ist. Im sozialistischen Realismus galt Kunst als Waffe in einer Welt, in der Freund und Feind , Fortschritt und Rückschritt klar erkennbar waren. Für Bisky ist diese Weltsicht Unsinn. 

"Das würde heißen, dass es eine klare Richtung gibt, in die man schießen kann. Die gibt es nicht, unsere Welt ist komplex. Bilder sind wie Flaschenpost, die bleiben eine Weile da und transportieren etwas von meiner Zeit".

Zwischen Palmenzweigen vermummte junge Menschen, die Steine werfen. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die in Rio de Janeiro momentan an der Tagesordnung sind, werden im rechten Bild vor tropischer Kulisse aufgegriffen. Rechts Tiroteo, 2017, oil on canvas, 240 x 190 cm, linkes Bild; Trilemma, 2017, oil on canvas, 240 x 190 cm


Norbert Bisky

1970 in Leipzig geboren, wuchs er in der DDR auf.
1990 begann er ein Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität in Berlin.
1994 bis 1999 studierte er an der Hochschule der Künste Berlin bei Georg Baselitz. 

Norbert Bisky zählt innerhalb seiner Generation zu den bekanntesten Malern Deutschlands. Seine Arbeiten waren in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen.



Galerie König in St. Agnes
NORBERT BISKY | TRILEMMA
9. SEPTEMBER - 8. OKTOBER 2017

Galerie König in St. Agnes
ALEXANDRINENSTR. 118–121
10969 BERLIN
INFO@KOENIGGALERIE.COM

Quellen:
(1) Öffentlich in der Galerie ausliegendes Begleitmaterial zur Ausstellung. NORBERT BISKY | TRILEMMA
(2) Berliner Zeitung, 10.04.2001 zit. nach „Norbert Bisky-Zentrifuge“S.8f. Hrsg. Dorothée Brill
(3) Süddeutsche Zeitung im Interview: Daniel Richter:Ruhm. Ich bin dagegen, 17. Mai 2010 , Onlineversion
(4) Berliner Morgenpost, Elisa von Hof, 09.09.2017

Sämtliche Fotos: Fred Tille 
Obwohl meine Fotos nur allgemeine Ausstellungsansichten und keine expliziten, detaillierte Werkfotos zeigen, bitte ich die Urheberrechte des Künstlers, Norbert Bisky an seinen Werken zu beachten.

Courtesy of Galerie Galerie König in St. Agnes

Montag, 2. April 2018

Transit | Christian Petzolds neuester Film nach Motiven des gleichnamigen Romans von Anna-Seghers

ZeitBild | Nr. 2


Die Welt von heute scheint aus den Fugen geraten. Sie ist durch große Unsicherheit, Unübersichtlichkeit und Fragilität, Krieg und Flucht, Terror und Gewalt geprägt. Damit ist die Entwicklung unserer zukünftigen Lebenswelten wieder zu einem bedeutsamen Schwerpunkt in der Kunst geworden. Die bildende Kunst, das Theater, die Literatur und der Film reagieren darauf auf unterschiedliche Art und Weise. Meine neue Serie ZeitBilder und Texte zeigen Beispiele wie sich die Kunst diesen gesellschaftspolitischen Zusammenhängen nähert.

Meinen Post könnt ihr in einer Kurz- und Langversion lesen.
Hier die Kurzfassung. Die ausführliche Fassung folgt unmittelbar auf diesen Post.

Mit Christian Petzolds neuestem Film bin ich der künstlerischen Bearbeitung von Anna-Seghers Roman Transit insgesamt zum dritten Mal begegnet.

Zum ersten Mal bei der Lektüre von Anna Seghers Roman. In ihrem Roman schildert Seghers das Schicksal von Flüchtlingen, die sich 1940/41 auf der Flucht vor den Nazis in Marseille gestrandet sind. Eine kurze Schilderung der Handlung findet ihr in meinem Post Transit und bei Wikipedia

Das zweite Mal im Deutschen Theater Berlin. Dort hatte am 27.September 2014 die Theaterfassung von Seghers Roman Transit Premiere. In der Inszenierung von Alexander Riemenschneider wird der Roman in dramaturgisch sinnvollen Auszügen textgetreu durch den Ich-Erzähler wiedergegeben.  
Und zum dritten Mal treffe ich das Thema im Wettbewerb der Berlinale 2018 mit Christian Petzolds Film Transit nach Motiven des gleichnamigen Romans von Anna-Seghers wieder. Im Gegensatz zum vorher genannten Theaterstück bedient sich Petzold eines Kunstgriffs und lässt den Film im heutigen Marseille spielen. Die Zeiten überschneiden sich.

Auf der offiziellen Website zum Film und auf YouTube könnt ihr euch einen kurzen Eindruck verschaffen.

YouTube Videos sind in meinem Blog nicht eingebunden. Stattdessen habe ich ein Vorschaubild eingefügt, hinter dem ein Link zum YouTube-Video liegt. Wenn ihr zur Aktivierung auf das Vorschaubild klickt, verlasst ihr meine Website und werdet zum Portal YouTube (www.youtube.com)weitergeleitet. Trotz dieser datenschutzfreundlichen Einbindung werden von YouTube Daten übermittelt. Eine eindeutige Beurteilung des genauen Umfangs der Datenverarbeitung durch Google lässt sich nicht vornehmen. Bitte beachtet dafür die Datenschutzerklärung von YouTube  bzw. Google. Mit dem Klick auf das Vorschaubild erklärt Ihr Euer Einverständnis zum Anzeigen externer Inhalte.





Hier das ZeitBild | Nr. 2


Transit #5
ZeitBild | Nr. 2 
Ich habe mich inspiriert durch den Roman und das Theaterstück dem Thema Transit in einer Bildserie mit den Mitteln der Malerei genähert. Hier seht ihr Transit #5.
Foto: Fred Tille


Langversion

Transit | Christian Petzolds neuester Film nach Motiven des gleichnamigen Romans von Anna-Seghers

ZeitBild | Nr. 2

Die Welt von heute scheint aus den Fugen geraten. Sie ist durch große Unsicherheit, Unübersichtlichkeit und Fragilität, Krieg und Flucht, Terror und Gewalt geprägt. Damit ist die Entwicklung unserer zukünftigen Lebenswelten wieder zu einem bedeutsamen Schwerpunkt in der Kunst geworden. Die bildende Kunst, das Theater, die Literatur und der Film reagieren darauf auf unterschiedliche Art und Weise. Meine neue Serie ZeitBilder und Texte zeigen Beispiele wie sich die Kunst diesen gesellschaftspolitischen Zusammenhängen nähert.

Mit Christian Petzolds neuestem Film bin ich der künstlerischen Bearbeitung von Anna-Seghers Roman Transit insgesamt zum dritten Mal begegnet.

Zum ersten Mal bei der Lektüre von Anna Seghers Roman. In ihrem Roman schildert Seghers das Schicksal von Flüchtlingen, die sich 1940/41 auf der Flucht vor den Nazis in Marseille darum bemühen, im Dickicht der Behörden und Vorschriften fristgemäß die Papiere für ihre Auswanderung nach Übersee zu bekommen. Eine kurze Schilderung der Handlung findet ihr in meinem Post Transit und bei Wikipedia.

Das zweite Mal im Deutschen Theater Berlin. Dort hatte am 27.September 2014 die Theaterfassung von Seghers Roman Transit Premiere. In der Inszenierung von Alexander Riemenschneider wird der Roman in dramaturgisch sinnvollen Auszügen textgetreu durch den Ich-Erzähler wiedergegeben. Der literarische Effekt der Unmittelbarkeit und Anteilnahme, den Anna Seghers erreichen wollte, indem sie das Wort einem Ich-Erzähler überlässt, kommt auch auf der Bühne voll zur Geltung. Unwillkürlich tauchen bei der Schilderung des menschenunwürdigen Transitzustands im Kopf des Zuschauers die aktuellen Bilder von Flüchtlingen auf, die in überfüllten Booten über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen. Diese Aktualisierung findet allerdings nicht auf der Bühne statt. Nur im Programmheft vermittelt eine zitierte Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge einen Gegenwartsbezug.


Und zum dritten Mal treffe ich das Thema im Wettbewerb der Berlinale 2018 mit Christian Petzolds Film Transit nach Motiven des gleichnamigen Romans von Anna-Seghers wieder.
Im Gegensatz zum vorher genannten Theaterstück bedient sich Petzold eines Kunstgriffs und lässt den Film im heutigen Marseille spielen. Die Zeiten überschneiden sich.
Mal lässt er die Gegenwart, mal die Vergangenheit in einer Szene aufscheinen. So besetzen deutsche Soldaten Frankreich, doch der Film spielt im heutigen Marseille. So sind in den schwer bewaffneten Soldaten, die durch das heutige Marseille stapfen, mal deutsche Besatzer, mal französische Spezialkräfte der Polizei zu erkennen. Die Protagonisten des Films bewegen sich, während sie Seghers' Dialoge sprechen durch ein sehr gegenwärtiges Marseille. Da spielt ein Junge, der Borussia-Dortmund-Fan ist, mit einer Getränkedose; im Hafen drehen sich Containerkräne; die Wände der Hausdurchgänge sind mit Graffitis besprüht.

Auf der offiziellen Website zum Film und auf YouTube könnt ihr euch einen kurzen Eindruck verschaffen.

YouTube Videos sind in meinem Blog nicht eingebunden. Stattdessen habe ich ein Vorschaubild eingefügt, hinter dem ein Link zum YouTube-Video liegt. Wenn ihr zur Aktivierung auf das Vorschaubild klickt, verlasst ihr meine Website und werdet zum Portal YouTube (www.youtube.com)weitergeleitet. Trotz dieser datenschutzfreundlichen Einbindung werden von YouTube Daten übermittelt. Eine eindeutige Beurteilung des genauen Umfangs der Datenverarbeitung durch Google lässt sich nicht vornehmen. Bitte beachtet dafür die Datenschutzerklärung von YouTube  bzw. Google. Mit dem Klick auf das Vorschaubild erklärt Ihr Euer Einverständnis zum Anzeigen externer Inhalte.




Hier das ZeitBild | Nr. 2

Transit #5
ZeitBild | Nr. 2 
Ich habe mich inspiriert durch den Roman und das Theaterstück dem Thema Transit in einer Bildserie mit den Mitteln der Malerei genähert. Hier seht ihr Transit #5.
Foto: Fred Tille