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| Plakat zur Ausstellung |
Zum Jahresende möchte ich Euch wieder einmal Bilder einer Ausstellung von KünstlerInnen des Kulturpunkt Stilus e.V. vorstellen. Als Mitglied des Kunstvereins habe ich vom 09.11. bis 07.12.2025 an der Gruppenausstellung zum Thema Lange Weile teilgenommen.
Die Künstlerinnen und Künstler haben sich diesem nicht ganz einfach zu bearbeitenden Thema unter verschiedenen Gesichtspunkten genähert.
Der Kulturpunkt Stilus e.V. ist eine Gruppe von Künstlern, die in den verschiedensten Kunststilen und Ausdrucksformen arbeiten. Dabei ist der gesellschaftskritische Bezug bei vielen der Künstler essentiell. Allen gemeinsam ist es, Vielfalt, Andersartigkeit und Toleranz in der Kunst als Stärke zu verstehen und so neue Sichtweisen zu entwickeln. Die Darstellung von Disharmonien und Konflikten bildet ein weiteres zentrales Moment der Arbeiten der Stiluskünstler, die sich in diesem Jahr das Thema Langeweile? Lange Weile! gestellt haben.
Im Folgenden stelle ich euch beispielhaft einige künstlerische Positionen vor.
Lange Weile / Text von Dr. Peter Scholz
| Wannsee - Foto: Peter Scholz |
Mit der „langen Weile“ lässt sich gut in der Natur verweilen, um Kraft zu tanken und neue Ideen zu generieren. Dazu gehört das Beobachten der Rehe auf einer Waldwiese, ein Spaziergang durch den Grunewald oder das Verweilen am Ufer des Wannsees, dabei die Aussicht genießen oder den Horizont erweitern. Das Verweilen in der Natur erzeugt auch eine Entschleunigung und Resilienz in einer Welt mit all den Konflikten.
Lange Weile in Quito / Text von Ekhard Gaede
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| Screenshot: Fred Tille |
Weihnachtszeit, besinnliche Zeit. Doch abseits des turbulenten Wochenmarktes in Quito, Ecuador scheint sich diese Verkäuferin von künstlichen Tannenbäumen zu langweilen, während sie auf Käufer wartet. Die Zeit will nicht vergehen, wenn man aktiv werden möchte ohne es zu können. Vielleicht trügt aber auch der Schein, und sie genießt ihren unfreiwilligen Müßiggang, der ihr eine Pause beschert und sie eine Weile ihren Gedanken überlässt
Konfrontation / Text von Ellen Ernst
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| Foto: Ellen Ernst |
Für eine lange Weile die Zeit anhalten, z.B. bevor eine kritische Situation eskaliert oder beim Wettkampf der nächste Schritt über Sieg oder Niederlage entscheidet, aber auch, um etwas Schönes länger genießen zu können. Das Unmögliche möglich machen und die Gegenwart eine lange Weile festhalten, bevor sie zur Vergangenheit wird. Die Malerei kann den flüchtigen Moment sozusagen einfrieren. Bewegung und Veränderung und deren malerische Umsetzung spielen seit jeher eine besondere Rolle in meinen Arbeiten. Wie kann Bewegung im Bild erlebbar werden? Was wird wohl als Nächstes geschehen? Ist der nächste Augenblick bereits wahrnehmbar während die Zeit eine lange Weile stillsteht?
Raum – Mensch – Zeit / Text von Fred Tille
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| Pluto - Foto: Fred Tille |
Für den Fall, dass unsere Erde für Menschen unbewohnbar sein wird, arbeiten die Astrophysiker seit Jahren an einem Plan B. Mit interstellarer Raumfahrt wollen sie den Weltraum erforschen und Kolonien im All oder auf anderen erdähnlichen Planeten errichten. Astrophysikalische Berechnungen zeigen jedoch, dass die Zeiträume im Weltraum gemessen an der durchschnittlichen Lebensspanne der Menschen zur Zeit unüberwindbar immens sind. So vergehen zum Beispiel 248 Jahre auf der Erde, bis Pluto einmal die Sonne umrundet hat. Das ist eine ziemlich lange Zeit, nicht wahr?
500 Jahre – welch lange Zeit – welch lange Weile! Der Bauernkrieg von 1525: Uffrur! Für Gerechtigkeit und Freyheit! / Text von Gabriele Tille-Tagge
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| Foto: G. Tille-Tagge |
„Eine neue Ordnung machen in der Welt“ wollten die Bauern in den Aufständen von 1525. Thomas Müntzer u.a. führten die Kämpfe gegen Unterdrückung und Ausbeutung der Bauern in Franken und Mitteldeutschland an. Auch wenn sie ihre Ziele nicht erreichten: Die Vision einer neuen, gerechteren Gesellschaftsordnung wurde auf den Weg gebracht. Der Bauernkrieg gilt auch nach 500 Jahren noch als Symbol für revolutionäre Demokratiebestrebungen und dem Wunsch nach einem Wandel politischer Systeme bis heute. Bauernkrieg - Kriege - und kein Ende?
Der LangWeiler - Von Langeweile keine Spur. / Text von Olaf Kaminski
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| Foto: Olaf Kaminski |
Der LangWeiler - Von Langeweile keine Spur. „Hin und her, hin und her, ewig fahr ich hin und her“ * Frustation schafft Langeweile. Der Glückliche langweilt sich nicht. Seine Zeit vergeht im Fluge. Was er vorhat setzt er mit Erfolg um. Ihm gelingt alles. Manchmal genießt der Glückliche die „Lange Weile“. Dann wird er zum LangWeiler zum Edelmann des Lebens. Dann liegt der LangWeiler in der Sonne am Meer, verfolgt das lustige Spiel der Möwen und träumt. Von Langeweile... keine Spur.
*Der Fährmann im Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren
„Stillstand der Zeit – Langeweile im Blick“ / Text von Thomas Wiersberg
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| Barnim - Foto: Thomas Wiersberg |
Langeweile ist heutzutage tendenziell negativ konnotiert, doch kann sie auch Raum für Kreativität und Reflexion bieten. Die Fotoserie „Stillstand der Zeit – Langeweile im Blick“ thematisiert das Gefühl der Langeweile und versucht, die verborgene Schönheit der Langeweile einzufangen.
Die Bilder entstanden während mehrerer Fotoexkursionen in Dörfern der Umgebung von Berlin, in denen die Zeit scheinbar stillgestanden ist. Die Motive, oft geprägt von einer ruhigen, fast meditativen Atmosphäre, sollen den Betrachter einladen innezuhalten und die kleinen Details des Alltags zu betrachten, die sonst leicht übersehen werden. Dabei verwenden die Bilder durchgehend dasselbe Bildformat, Bildgröße und Brennweite, sowie eine Reduktion der Darstellung auf Schwarz/Weiß. Diese bewusste Entscheidung für eine einheitliche Ästhetik verstärkt den Eindruck von Zeitlosigkeit und lässt den Betrachter die Motive intensiver wahrnehmen.
Nationalpark Jasmund/Buchenwald Stubnitz / Text von Helga Lehner
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| Screenshot: Fred Tille |
Wer im Frühsommer den Buchenwald im Nationalpark Jasmund betritt, dessen Blick weitet sich angesichts der in lockerer Reihe stehenden Buchenstämme. Die Kronen der über 20-30 Meter hohen Buchen mit ihren zartgrünen Blättern verteilen das Sonnenlicht zu einem grünen Lichtdach, das über den Wanderern leuchtet. Doch wenn am Nachmittag unvermittelt Nebel von der Küste auf die Buchen fällt, wechselt das helle Licht in zartes Grau und versetzt die Bäume in einen geheimnisvollen Nebelwald. Der Buchenwald auf dem Jasmund ist mit 650 000 Bäumen der Größte seiner Art an der Ostsee. Seit 800 Jahren stehen Buchen hier. Welch eine lange Weile hat es gedauert, bis der Buchenwald über die Jahrhunderte zu dieser Größe und Schönheit herangewachsen ist.
Die Zeit der Ungeduld / Text von Dietmar Steinkamp
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| Screenshot: Fred Tille |
Im Fluss der Zeit offenbart sich eine verborgene Melodie – die Symphonie der langen Weile: Erosion, die nicht nur zerbricht, sondern auch formt. Korrosion, die zwar zerfrisst, doch so gestaltet. Langeweile bleibt nicht mein Feind, wird stiller Begleiter der Schöpfung. Ruhe kommt vor ungezügeltem Sturm der Inspiration. In Erosion und Korrosion liegen geduldete Weisheit: Abtrag und Zersetzung hinterlassen Raum für Neues. Die lange Weile wird Künstlerin, die alte Strukturen auflöst, um frische Formen zu finden. Eine Kunst des Vergehens, und doch Akt des Werdens. Die Zeit nutzt Entropie als richtungsweisende Kraft. Dieser allgegenwärtige Sinn des Lebens ermöglicht Veränderung und Wachstum: Langeweile, von Verlust bis Transformation. Nur Geduld!
Copyright für Texte, Werkabbildungen, Fotos bei den Künstlern.
Weiterführende Links:
Website von Kulturpunkt Stilus e.V. mit Link zum Flyer zur Ausstellung
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